Was taugt der Luna Controller (ohne Amazon Luna)?
Nuff! Ich grüße das Volk.
Für Unternehmen der Unterhaltungsbranche gibt es eine Horrorvorstellung: dass Kunden tatsächlich ihre Werke besitzen könnten. Bei Filmen und Serien haben Netflix, Apple TV, Prime Video und Konsorten den meisten Menschen schon abgewöhnt, sie sich auf optischen Datenträgern zu besorgen, nur um sich dann tierisch darüber zu freuen, wenn man liebgewonnene Inhalte zwischen den Plattformen hin und her schiebt und damit den Zuschauern so richtig auf den Sack gehen kann.
Bei Spielen ist es inzwischen normal, sie über Plattformen wie Steam oder den Epic Games Store zu beziehen, aber oft ist es dann dennoch möglich, sie nach der Installation auch ohne Internetanschluss zu spielen. Das ist natürlich etwas zu kundenfreundlich, weswegen man auf die Idee kam, Cloud Gaming anzubieten.
Bei Cloud Gaming läuft das Spiel nicht auf der Hardware des Spielers. Stattdessen wird es auf einem Server des jeweiligen Anbieters ausgeführt, die Eingaben des Spielers (über den Controller, die Tastatur oder die Maus) werden übers Internet an den Server übertragen, die Ausgabe wird dann als Videostream zum Spieler zurück übertragen. Der Vorteil für den Spieler ist, dass er dafür keine kräftige Hardware braucht, was insbesondere in der Zeit, als Grafikkarten ungefähr so viel kosteten wie 15 Jahre Energiewende, durchaus seinen Reiz hatte und sicherlich auch heute noch für Leute attraktiv ist. So kann man per Cloud Gaming neue Spiele auch auf älteren Konsolen oder PCs, Smart-TVs oder Geräten wie Fire TV oder Chromecast anbieten.
Google ist mit dem Konzept allerdings kräftig auf die Schnauze gefallen und hat seinem Dienst Google Stadia Anfang 2023 nach knapp drei Jahren den Stecker gezogen, was aber wohl auch an der Spiele-Auswahl lag. Aber andere Anbieter gibt es noch. Microsoft hat Xbox Cloud Gaming für Abonnenten des Xbox Game Pass, der Grafikprozessoren-Riese Nvidia nennt sein entsprechendes Angebot GeForce Now und Amazon hat Luna.
Bis vor wenigen Monaten hatte ich in der LLD immer zusammengefasst, welche Inklusivspiele Amazon jeden Monat an Prime-Abonnenten verteilt (die kann man auch nach dem Ende des Abos weiter runterladen und spielen), und seit einiger Zeit gibt’s dann immer auch zusätzlich Spiele, die Prime-Inhaber ohne Zusatzkosten über Amazon Luna spielen können. Luna bietet aber auch eigene kostenpflichtige Abos an.
Spielen kann man bei Luna mit Maus und Tastatur, aber auch mit Controllern, unterstützt werden etwa die neueren von Microsoft und Sony. Und wer ganz wagemutig ist, kann auch per App den Touchscreen seines Handys benutzen. Aber Amazon, inzwischen kein Neuling mehr im Hardware-Markt, hat auch einen eigenen Controller entwickelt, den man sehr kreativ den Luna Controller nennt.
Und das war jetzt eine wirklich lange Einleitung für einen Text, in dem es eigentlich darum geht, wie gut der Luna-Controller ist für Leute, die gar nicht bei Amazon Luna mitspielen wollen, sondern einfach normal spielen oder ein Tiefsee-U-Boot steuern möchten. Denn mit einem (gratis auf der Amazon-Seite herunterladbaren) Windows-Treiber kann man den Controller auch ganz normal benutzen, ohne das ganze Cloud-Gaming-Gedöns.
Der Normalpreis des Controllers beträgt etwa 70 Euro, wegen der gerade stattfindenden Black-Friday-Tage bietet Amazon den Controller derzeit aber für rund 40 Euro an. Und weil ich (dank Bing) noch einen 10-Euro-Gutschein für Amazon hatte, habe ich ihn für etwa 30 Euro bekommen.
Mein normaler Controller ist ein kabelgebundener Xbox-360-Controller, den ich 2012 gekauft habe und der immer noch einwandfrei funktioniert. Ich habe ihn im letzten Jahr mal auseinandergenommen, gründlich gesäubert und eine der Thumbstick-Kappen ersetzt, jetzt ist er quasi wie neu. Die Microsoft-Controller haben einen guten Ruf, und der ist (nach meiner beschränkten Erfahrung) gerechtfertigt. Mein Controller ist robust, zuverlässig und kann sicherlich noch lange ohne Probleme seinen Dienst tun. Einziges (kleines) Problem: Er hängt am Kabel. Und das ist ein sehr langes Kabel, denn zu der normalen Kabellänge des 360-Controllers, wie er für die Xbox 360 produziert wurde, kommt noch ein weiteres Kabel, das Microsoft damals für PC-Spieler beigelegt hat und mit dem man den Controller in einen USB-Port einstöpseln kann. Manchmal ist das also ein bisschen lästig, weswegen ich mit einem schnurlosen Controller geliebäugelt habe.
Mit dem Xbox-360-Veteranen muss sich der Luna-Controller also messen. Umgewöhnen muss man sich kaum: Der Luna-Controller übernimmt ziemlich unverändert das Layout, das man von Microsoft kennt. Zwei Thumbsticks, ein D-Pad, vier Action-Buttons (mit der MS-typischen Anordnung für A, B, X und Y), in der Mitte ein großer Button, flankiert von ein paar kleinen, dazu zwei Schulterbuttons LB und RB, darunter jeweils ein Trigger-Button LT und RT. Der einzige wesentliche Unterschied im Layout ist ein zusätzlicher Alexa-Button unter dem großen Button in der Mitte (wobei die neueren Controller von Microsoft da auch einen Zusatzbutton haben). Außerdem bietet der Controller einen USB-C-Anschluss und eine Kopfhörer-Buchse. Ein USB-Kabel liegt aber nicht bei.
Der Luna-Controller bezieht seine Energie aus zwei AA-Batterien, die auch im Lieferumfang dabei sind. Mit diesen Batterien wiegt der Controller 280 Gramm. Das Laden von AA-Akkus über den USB-C-Anschluss wird offiziell nicht unterstützt, laut Reddit haben einige Nutzer es mit ein paar bestimmten Akkus geschafft, ein bisschen Ladung zu kriegen, aber das ist nichts, was Amazon wirklich vorgesehen hat.
Der Kunststoff wirkt nicht billig oder fragil, Amazon hat sich auch Mühe gegeben, die Oberflächenstrukturen gefällig zu gestalten, um dem Spieler einen guten Halt zu ermöglichen. Man hat das Gefühl, einen wertigen Controller in der Hand zu halten. (Und man hat sich zum Glück verkniffen, das Gehäuse zu gummieren, sicherlich eine Lehre aus der Vergangenheit. Ich musste die Fernbedienung von meinem Fire TV mit Isopropylalkohol von der Gummischicht befreien, weil sie sich zersetzte und klebrig wurde.)
Einziger Kritikpunkt sind die doch ziemlich kleinen Kappen der Thumbsticks, die auch noch einen erhabenen und geriffelten Rand haben. Die Gegenstücke beim Xbox-Controller fühlen sich deutlich daumenfreundlicher an und man hat den Eindruck, etwas feinere Kontrolle zu haben. Die Trigger-Buttons sind beim Luna-Controller schwergängiger und die Schulterbuttons darüber haben einen etwas dumpferen Klick, aber beides stört nicht, es ist lediglich ein etwas anderes Gefühl und man kann sich leicht umgewöhnen.
Wenn man den Amazon-Luna-Dienst benutzen will, also Spiele über die Cloud spielen möchte, verbindet sich der Controller per WLAN direkt mit den Amazon-Rechenzentren und reduziert so die Latenz beim Spielen. Bei der Bestellung kann man auswählen, ob der Controller bereits mit den eigenen Amazon-Zugangsdaten voreingerichtet kommen soll. Die Verbindung zum WLAN geschieht laut Anleitung automatisch, wenn man bereits ein Fire-TV- oder Echo-Gerät in Reichweite hat, das per WLAN verbunden ist. Ansonsten kann man die Einrichtung für die Nutzung mit Amazon Luna auch per Smartphone-App vornehmen.
Wer den Controller außerhalb von Amazon Luna benutzen will, muss sich darum keine Gedanken machen, dafür braucht man nur einen Windows-PC, der Bluetooth kann (oder man verbindet ihn per USB-Kabel, aber es ist ja ziemlich sinnfrei, einen schnurlosen Controller mit Kabel zu benutzen). Amazon bietet über die Produktseite einen Bluetooth-Treiber für den Luna Controller an. Den muss man installieren und dann den PC neustarten. (Vor dem Neustart konnte ich den Controller zwar per Bluetooth mit dem PC verbinden, aber ihn nicht in Spielen benutzen. Nach dem Neustart ging das aber automatisch und er wurde wie ein Xbox-Controller behandelt.)
Der große Vorteil, wenn man nicht über Amazon Luna spielt, sondern ihn nur als normalen Controller benutzt: Die Batterien werden nicht durch die WLAN-Verbindung leergelutscht. Im Netz habe ich mehrfach die Angabe gelesen, dass die Batterielaufzeit 5 Stunden betragen würde. Das ist wohl nur dann der Fall, wenn man den Controller so benutzt, wie Amazon es will, mit Amazon Luna. Als ich den Controller mit Steam-Spielen verwendete, waren die Batterien nach etwas über 5 Stunden gerade mal bei 85 Prozent. Das ist schon wesentlich erträglicher und man braucht keine Unmengen an Reserve-Akkus, um mal einen Gaming-Marathon durchzustehen.
Getestet habe ich den Controller bisher in drei Spielen: Holocure – Save the Fans, Yakuza 0 und GTA V. In allen drei Spielen funktionierte der Controller genauso wie sein alter, kabelgebundener Konkurrent, ich konnte auch keine Verzögerung durch die kabellose Verbindung feststellen. Als ich HoloCure spielte, gab es allerdings zwei oder dreimal die Situation, dass das Spiel für eine halbe Minute offenbar gar keine Signale vom Controller registrierte und ich mit Tastatur weiterspielen musste, bis der Controller wieder funktionierte. Da ich das Problem aber weder in Yakuza 0 noch in GTA V hatte und es am nächsten Tag auch in HoloCure nicht mehr auftrat, kann ich nicht mit Sicherheit behaupten, dass es am Controller lag, und werde ihm das nicht negativ anrechnen.
Wie oben erwähnt, bin ich kein so großer Freund der Thumbsticks, aber ich muss zugeben, dass sie mich weniger störten, als ich am Anfang befürchtete. Dennoch sind sie der größte Punkt, wo Amazon ansetzen könnte, um den Controller zu verbessern (und sei es nur, dass sie Aufsätze für die Thumbsticks anbieten, um sie ergonomischer zu machen).
Was ist jetzt mein Fazit? Der Luna-Controller ist ein sehr solides Gerät. Es ist sichtlich sehr auf Amazon Luna ausgerichtet, was man auch daran sieht, dass in der winzigen Anleitung die Verwendung als normaler Controller nur optional am Ende abgefrühstückt wird und der Treiber dafür etwas versteckt von der Amazon-Seite heruntergeladen werden muss, aber wenn man die (dafür doch sehr schmerzfreie) Installation vorgenommen hat, wird man wenig zu meckern haben.
Ist er die 69,99 Euro wert, die Amazon normalerweise haben will, wenn man nicht vorhat, ihn mit Amazon Luna zu benutzen? Nein. Für zehn Euro weniger kriegt man einen von Microsoft, und das ist das bessere Preis-Leistungsverhältnis.
Anders sieht’s aus, wenn Amazon besondere Preisaktionen hat, etwa wie jetzt beim Black Friday oder beim Cyber Monday. Während ich diese Zeilen schreibe, ist der Luna-Controller für 40 Euro zu haben. (Der Xbox-Controller ist gerade ebenfalls preisreduziert, aber mit 45 Euro etwas teurer.) Für 40 Euro ist Amazons Joypad tatsächlich ein sehr guter Controller, dem ich eher trauen würde als Controllern von No-Name-Drittanbietern, die ihre Produkte im Normalfall um die 40 Euro anbieten.
Was die Ausstattung angeht, kommt der Luna-Controller natürlich nicht ganz an den Steam-Controller ran, der Touchfelder und noch zusätzliche Buttons in den Griffen hatte und von Valve am Ende für einen absoluten Spottpreis verschleudert wurde. (Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, aber ich meine, es waren 15 Euro? Und dann noch mal 5 Euro für den Steam-Link?) Allerdings bin ich mit dem Steam-Controller nie warm geworden, obwohl Valve viel Mühe reingesteckt hat und an der Herstellungsqualität wirklich nichts auszusetzen ist. Der Luna-Controller hingegen ist einer, bei dem ich mich nicht überwinden muss, ihn zu benutzen.
Falls ihr euch jetzt spontan dafür entscheidet, den Controller oder etwas anderes bei Amazon zu bestellen, wäre es schön, wenn ihr dafür über die hier im Text verstreuten Links geht und mich dabei nebenbei unterstützt und mir helft, was von dem Geld zurückzuholen, das für die Reparatur meines PCs und den Controller ausgegeben habe. Die Black-Friday-Aktion bei Amazon geht meines Wissens noch bis 2. Dezember, und wir wissen alle, dass man Amazon-Geräte nicht zum Vollpreis kaufen muss.
Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit! Falls ihr Fragen habt, stellt sie bitte in den Kommentaren!
Bis dann!
Mitglied
*total subjektiven Rant, dass das Microsoft Controller Layout das beste Layout ist, hier einfügen
War bisher mit meinen XBOX Controllern immer sehr zufrieden, hört sich aber so an, als würden bei dem Amazon Controller die Akkus länger halten. Meine sind immer so nach ca. 20 Stunden leer. Nach 5 Stunden auf 85% hört sich hochgerechnet halt erstmal nach mehr an, kommt drauf an, wie verlässlich die Anzeige ist.
Hab von Amazon Luna übrigens noch nie was gehört, lebe wohl hinterm Mond Oo
Aber mit den ganzen Streamingdiensten haben wir uns schon irgendwie selbst ins Knie geschossen, oder?
Zuerst hat es dazu geführt, dass viel Content günstig verfügbar wird. Das hat natürlich den Konsum angeregt, wodurch auch immer mehr Content nachgefragt wurde. Das hat zu einem Haufen billiger Massenproduktionen einerseits und zu dem Aufblühen der Streaming-Anbieter-Vielfalt andererseits geführt.
Im Spielebereich ist es verzögert eingetreten, aber doch auch. Vielleicht sollte ich doch mal mehr Spiele auf GOG kaufen. Oder mir doch mal wieder über einen VPN Gedanken machen...
P.S.: Gepostet um 4:43? Ich hoffe das war irgendein Automatismus und du warst nicht schon wach.