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Wie schreibt man einen Roman?

Da das öffentliche Leben derzeit stark heruntergefahren wird, viele Menschen daheimsitzen und nichts mit sich anzufangen wissen, nehme ich stark an, dass so einige nun mit dem Gedanken spielen, endlich ihre lang vergrabenen Träume von einer Karriere als gefeierter Literat wieder auszubuddeln und die freie Zeit zu nutzen, endlich den Roman zu schreiben, der ihnen seit Jahren immer wieder im Kopf herumspukt. Es wäre aber töricht, sich einfach so in dieses Vorhaben zu stürzen. Damit meine Leser dies nicht unvorbereitet tun müssen, habe ich beschlossen, eine kleine Anleitung zu verfassen – nicht um eure übersprudelnde Kreativität einzudämmen, sondern um sie in geordnete Bahnen zu lenken. :soistdas:

Bei näherer Überlegung ist das Lenken in geordnete Bahnen genau das, was man mit dem Eindämmen tun will. Also will ich wohl doch eure Kreativität eindämmen. :tjanun: Egal. Die Hauptsache ist, dass ihr nach dem Lesen der folgenden Liste ein paar Illusionen weniger habt, was den ganzen Prozess anbetrifft.

  1. Habe eine Idee. Male dir dann einzelne Szenen oder Textteile aus, die dich so richtig heiß machen und motivieren. Nimm dir vor, eine Geschichte zu verfassen, die ungefähr zehn Bände umfassen und die Literaturwelt revolutionieren wird.
  2. Such dir „Wie schreibt man eine Geschichte“-Anleitungen im Internet zusammen, aus denen du entweder Dinge erfährst, die du schon in der Schule gelernt haben solltest, oder aber Stil-Vorgaben lernst, die deine Texte trocken und austauschbar machen, weil dir zum Beispiel eingeimpft wird, keine verstärkenden Wörter zu benutzen. Schiebe den Verdacht weg, dass diese Anleitungen nur von irgendwelchen Versagern verfasst wurden, die selbst nicht viel Erfolg vorzuweisen haben, aber unbedingt Stoff für ihre Blogs oder Facebook-Gruppen brauchten.
  3. Du hast jetzt die Wahl, penibel Hintergrundinformationen über das Setting deiner Geschichte zu recherchieren, sodass deine Geschichte am Ende mit Details überfrachtet ist und die Leute von der Story abgelenkt werden, oder die ganze Recherche zu vergessen und einfach frei Schnauze zu schreiben, sodass die Leser, die sich ein bisschen mit der Zeit, der Gegend, den Umständen oder den Denkweisen des Settings auskennen, beim Lesen wegen der vielen Fehler einen dicken Hals kriegen und dein Werk wütend in die Ecke schmeißen.
  4. Es ist so weit: Setze dich an eine Textverarbeitung – und stelle fest, dass dir der richtige Anfang fehlt, außerdem der Schluss, die Mitte existiert in deinem Kopf auch nicht so ganz (bis auf besagte Szenen) und im Prinzip hast du keine Ahnung, wie du auch nur einen Buchstaben tippen kannst, ohne damit gleich die ganze Geschichte zu ruinieren.
  5. Wage doch vorsichtig, deine Ideen in einen zusammenhängenden Text zu destillieren. Nach zwei Stunden und einer halben Seite stellst du fest: Menschenskind, Schreiben ist gar nicht so leicht. Vor allem benötigt man viel mehr Zeit, als man denkt, und die Geschichte, die man sich in seinem Kopf ausgemalt hat, braucht weniger Platz, als man vermutete. Eine kurze Überschlagsrechnung aufgrund des bisherigen Textfragments ergibt, dass du die Handlung der angedachten zehnbändigen Reihe in ungefähr 40 Seiten packen könntest.
  6. Stoße unflätige Flüche aus, während du die Erkenntnisse aus 5. verarbeitest.
  7. Vergiss die ganze Scheiße oder …
  8. Reiß dich zusammen und schreib trotzdem deine Geschichte fertig.
  9. Drucke die ganze Geschichte aus und stelle nach dem Lesen fest, dass sie Müll ist.
  10. Vergiss die ganze Scheiße oder …
  11. Setz dich noch ein paar Wochen ran und überarbeite die Geschichte, bis du halbwegs zufrieden bist. Mach dir dabei jede Menge Sorgen, dass du den ganzen Text mit jeder Änderung oder Erweiterung verschlimmbessern könntest.
  12. Überlege, wie weit die Geschichte nun von deinen Vorstellungen unter 1. abweicht und ob es wirklich sinnvoll ist, sie der Öffentlichkeit zu präsentieren.
  13. Vergiss die ganze Scheiße oder …
  14. Nimm dir vor, einen Verlag davon zu überzeugen, das Werk zu veröffentlichen. Das kannst du direkt oder über einen Literaturagenten versuchen.
  15. Stelle fest, dass es nahezu unmöglich ist, weil die Geschichte inzwischen zweitrangig ist, um für einen Verlag interessant zu sein. Es ist gut, wenn du Promi oder erfolgreicher Influencer bist. Wenn nicht, bist du gefickt. Es ist gut, wenn du jung bist, denn „junger Autor“ macht sich in den Marketingtexten am besten. Wenn du nicht jung bist, bist du gefickt. Es ist gut, wenn du weiblich bist, denn Verlage schmücken sich gerne damit, Frauen eine Stimme zu geben. Wenn du nicht weiblich (oder transgender) bist, dann hast du hoffentlich einen Science-Fiction-Roman geschrieben, ansonsten bist du gefickt. Und zuletzt: Es ist gut, wenn du mit deinem Roman gerade ein erfolgreiches Themenfeld beackerst. Wenn gerade weibliche Fickfantasien wie „Feuchtgebiete“, „Axolotl Roadkill“ oder „50 Shades of Grey“ erfolgreich sind, hast du hoffentlich eine weibliche Fickfantasie parat. Wenn Vampirromanzen wie „Twilight“ oder „Vampire Diaries“ im Moment der letzte Schrei bei Teenies sind, dreht sich dein Roman besser nicht um so etwas Banales wie die Zuneigung einer jungen Frau zu einem katholischen Pfarrer. Wenn gerade Mittelalterfantasy wie „Das Lied von Eis und Feuer“ in Mode ist, spielt deine Geschichte hoffentlich nicht im antiken Rom.
  16. Vergiss die ganze Scheiße oder …
  17. Stell deine Geschichte gratis ins Internet oder verkaufe es auf eigene Faust als billiges E-Book.
  18. Vergiss die ganze Scheiße, falls sich keiner dafür interessiert, oder …
  19. Warte darauf, dass die Verlage bei dir anklopfen, wenn sich wider Erwarten deine Geschichte doch größter Beliebtheit erfreut.
  20. Profit!

Ich höre schon die bohrenden Fragen: „Aber Klopfer, du hast bisher nur einen kurzen Roman und eine Kurzgeschichte veröffentlicht und arbeitest gerade an einem weiteren Roman, kannst du das denn überhaupt einschätzen?“

Ja, kann ich. Denn erstens ist das meine Website und damit kann ich hier behaupten, was ich will, und ihr müsst das devot schlucken. Und zweitens basiert nahezu jeder Punkt auf meiner Erfahrung oder der von anderen Autoren, Literaturagenten oder Lektoren.

Die Sache mit der Geschichte, die nicht von Verlagen genommen wurde, weil sie im antiken Rom spielte, hatte mir zum Beispiel eine Literaturagentin erzählt, die vergeblich versuchte, ihre Autorin unterzubringen. Der heiße Scheiß damals war zwar nicht das literarische Vorbild von „Game of Thrones“, sondern „Die Wanderhure“, aber es stimmt, dass das Problem in den Augen der Verlage die zeitliche Epoche war. Der Autorin wurde nahegelegt, ihre Geschichte einfach aufs Mittelalter umzuschreiben. Und Paradebeispiel für Punkt 19 ist natürlich Erika Leonard alias E. L. James, deren „Fifty Shades“-Reihe so zum Welterfolg wurde.

Ich selbst habe mit etwa acht Jahren angefangen, fiktionale Geschichten zu schreiben, und Punkt 5 hat mich damals besonders hart erwischt. Komischerweise scheinen Autoren heutzutage dann doch eher das gegenteilige Problem zu haben und im endlosen Herumschwafeln geübt zu sein. Veröffentlichte Romane sind in den letzten Jahrzehnten deutlich länger geworden, in vielen Verlagen scheint man zu denken, dass ein Buch unter 350 Seiten überhaupt nicht mehr vorzeigbar wäre. Ob das gut für die Qualität ist, darüber lässt sich vortrefflich streiten, ich persönlich hätte von den langen Romanen, die ich gelesen habe, fast jeden um mindestens ein Drittel kürzen wollen. Die einzige Ausnahme ist „Der Marsianer“, bei dem ich nur etwas mehr als ein Zehntel gestrichen hätte. (Bei Manga-Serien sehe ich ein ähnliches Problem. Ich kenne keine einzige lange Manga-Serie mit durchgehender Story, die man nicht auf 12 Bände kürzen könnte, ohne wesentliche Story-Elemente zu verlieren. Allerdings sorgt da schon die japanische Veröffentlichung der Einzelkapitel in Magazinform für einen Anreiz, die Story bis ins Unendliche zu strecken, solange das Leser-Interesse da ist. Manga-Bände sind dort die Zweitverwertung.)

„Na gut“, höre ich euch, weil ich eine lebhafte Fantasie habe, „aber hast du nicht wenigstens ein paar echte Ratschläge fürs Schreiben und Veröffentlichen?“

Ein paar allgemeine Tipps kann ich durchaus geben, und ich bitte darum, das auf meine soziale Ader und mein Herz für Kreative zu schieben und nicht darauf, dass der Text noch nicht die Länge von 10.000 Zeichen überschritten hat, die für die VG-Wort-Abrechnung so wichtig ist. :brille:

Die Hauptpersonen

Überlegt euch vorher, wie die Protagonisten (und eventuelle Antagonisten) charakterlich sind. Es gibt Autoren, die sich vorher die gesamte Lebensgeschichte ausdenken, aber das ist nicht nötig. Wichtig ist nur, dass ihr eine konsistente Idee habt, wie ein Charakter in bestimmten Situationen reagieren würde. Ich lese oft Geschichten, in denen ein Charakter wagemutig, wortgewandt und extravertiert ist, aber dann nur in einer bestimmten Szene total ängstlich und schüchtern agiert, weil das gerade die Stelle war, in der der Autor zeigen wollte, wie verletzlich dieser Charakter ist, damit wir Leser uns mehr mit ihm verbunden fühlen. Das passt nicht zusammen. Ihr müsst eine Vorstellung vom Wesen einer Hauptfigur haben, von den Stärken und den Schwächen, und falls der Charakter im Laufe der Geschichte eine Entwicklung durchmachen soll, muss natürlich eine Richtung existieren, in die er sich entwickeln kann. Man kann am Ende keinen großen Aufriss darum machen, dass der Protagonist gelernt hat, anderen zu vertrauen, wenn vorher nichts darauf hinwies, dass er anderen nicht vertrauen könnte.

Auch wenn ihr keine Entwicklung beabsichtigt, sollte euer Charakter nicht zu vorzüglich sein. Inzwischen hat sich für solche Charaktere der Spitzname „Mary Sue“ eingebürgert (oder bei männlichen Charakteren „Marty Stu“, „Gary Sue“ oder „Larry Stu“). Der Name stammt aus einer Star-Trek-Fanfiction-Parodie von Paula Smith, in der zur Crew der USS Enterprise ein 15-jähriges Mädchen (Mary Sue) stößt, der jüngste Lieutenant der Sternenflotte, wunderschön, intelligent, liebreizend und rundherum begnadet in allem. Als die leitenden Offiziere mit einer Krankheit infiziert werden, übernimmt sie das Kommando und führt das Raumschiff so gut, dass sie unter anderem den Friedensnobelpreis kriegt. Als sie schließlich auch infiziert wird und stirbt, wird sie bitterlich beweint und ihr Geburtstag zum Feiertag auf der Enterprise. Die Geschichte wurde 1973 verfasst, ohne sie hätte man 15 Jahre später so einen Charakter vielleicht eher als „Wesley Crusher“ bezeichnet, nach einem ernstgemeinten „Mary Sue“-Charakter in „Star Trek – The Next Generation“.

Auf der anderen Seite dürft ihr Charaktere aber auch nicht zu unfähig für die Aufgaben machen, die sie erledigen. Das passiert meistens mit Nebencharakteren, die sich extra dumm anstellen, damit der Hauptcharakter seine Brillanz beweisen kann. Einen erfahrenen Gesetzeshüter aber besonders dumm zu machen, damit eine Kriminalautorin oder ein kleiner Schülerdetektiv bei der Aufklärung eines Mordfalls glänzen kann, lässt im Publikum eher die Frage aufkommen, wie dieser Trottel seinen Job so lange behalten konnte.

Je besser ihr eure Charaktere kennt, desto leichter wird das Schreiben, denn dann entwickeln sie eine Art Eigenleben. Ihr müsst in vielen Fällen nicht mehr bewusst überlegen, was ihr schreiben wollt, sondern könnt euch instinktiv davon leiten lassen, wie sie in der aktuellen Lage handeln würden.

Die Geschichte

Gerade wenn man nicht geübt ist, sollte man beim Aufbau der Geschichte das Rad nicht neu erfinden. Regeln kann man erst dann sinnvoll brechen, wenn man sie kennengelernt und sich in deren Rahmen ausgetobt hat. Daher kann man sich an der Dramaturgie des Theaters oder des Films orientieren. Die klassische Struktur gliedert sich in fünf Akte:

  1. Exposition: Der Ort, die Zeit und die Charaktere werden eingeführt. Das Publikum bekommt ein Gefühl für die grundlegende Stimmung.
  2. Komplikation: Die Situation, die man im ersten Akt aufgebaut hat, steigert und verschärft sich. Es gibt einen „erregenden Moment“ (Katastase), der die Handlung erst so richtig ins Rollen bringt.
  3. Peripetie: Die Handlung erreicht ihren Höhepunkt, das Glück oder Unglück des Helden schlägt ins Gegenteil um oder sein Schicksal wendet sich.
  4. Retardation: Die Auflösung wird hinausgezögert, es wird die Spannung gesteigert, indem angedeutet wird, dass ein anderes als das erwartete Ende möglich wird.
  5. Katastrophe/Dénouement: Der Konflikt wird aufgelöst, wobei es sowohl möglich ist, dass der Held stirbt, aber auch, dass alle überleben, irgendwie geläutert und am besten auch grinseglücklich sind.

Moderner ist die Verkürzung zu drei Akten, was gerade beim Film sehr beliebt ist.

  1. Exposition: Auch hier wird das Setting mit Personen, Zeit, Ort und so weiter gesetzt und der Grundkonflikt aufgebaut. Oft gibt es ein Problem, das alle betrifft, und ein Problem, das speziell das Gemütsleben des oder der Protagonisten belastet. Der erste Akt endet mit dem ersten großen Plot Point/Wendepunkt.
  2. Konfrontation: Der Protagonist bzw. die Protagonisten machen sich daran, die Lösung ihrer Probleme zu finden oder herbeizuführen. Wichtig hierbei ist der zentrale Punkt, der den zweiten Akt spaltet: Eine neue Erkenntnis führt den/die Helden auf den richtigen Weg und ermöglicht ein gezielteres Vorgehen. Der zweite Akt endet mit dem zweiten großen Plot Point/Wendepunkt, der der Geschichte wieder eine neue Richtung vorgibt.
  3. Auflösung: Der Held bzw. die Helden versuchen, den Konflikt aufzulösen. Oft muss das innere Problem des oder der Protagonisten gelöst werden, um auch bei der Auflösung des äußeren Problems voranzukommen. Am Ende geht alles in die Hose oder es gibt einen dicken Kuss oder eine Fete.

Der amerikanische Mythenforscher Joseph Campbell hat zudem die typische Struktur einer Heldenreise untersucht und kam auf folgende Stationen (die allerdings nicht alle in jeder Heldenreise vorkommen).

  1. Trennung
    1. Der Ruf des Abenteuers (Berufung): Es zeigt sich eine Aufgabe oder ein Mangel.
    2. Weigerung: Der Held ist bockig und will sich zunächst der Aufgabe nicht annehmen.
    3. Übernatürliche Hilfe: Der Held bekommt unerwartete Unterstützung durch einen oder mehrere Mentoren.
    4. Das Überschreiten der ersten Schwelle: Zögerlich beginnt der Held sein Abenteuer.
    5. Der Bauch des Walfischs: Der Held droht, von der Schwere seiner Aufgaben überwältigt zu werden. Er begreift, wie ernst die Lage ist, und macht eine erste Veränderung durch.
  2. Prüfungen
    1. Der Weg der Prüfungen: Der Held wird mit Herausforderungen konfrontiert, die man als Prüfungen interpretieren kann. Oft sind es drei hintereinander, oft geht es auch um innere Widerstände, die es zu überwinden gilt.
    2. Die Begegnung mit der Göttin: Der Held trifft eine Vertreterin der göttlichen oder überirdischen Macht (oder falls es eine Heldin ist, einen Vertreter). Er erlangt Gegenstände, Fähigkeiten oder Erkenntnisse, die ihm helfen werden.
    3. Die Frau als Verführerin: Der Held begegnet Verführungen (nicht unbedingt durch das andere Geschlecht), die ihn von seiner Aufgabe ablenken.
    4. Versöhnung mit dem Vater/Abgrund: Es findet eine Konfrontation mit der Macht (oft väterlich, aber nicht zwingend) statt, die bislang das Leben des Helden bestimmte. Er erkennt, dass er das Resultat dieses Einflusses ist und auch er selbst sein eigener Gegner ist.
    5. Apotheose: Der Moment der Erkenntnis, in dem der Held sein Potenzial erfasst, mit dem er für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet ist. Das kann zum Beispiel die Erkenntnis einer göttlichen oder königlichen Abstammung sein, aber auch eine Wiedergeburt in einer mächtigeren Form.
    6. Die endgültige Segnung: Der Held erreicht das Ziel seines Abenteuers. Oft heißt das, dass der Held dabei einen mythischen Gegenstand erhält, in vielen Geschichten ist es aber auch eine Vernichtung (der Ring in „Herr der Ringe“, der Todesstern in „Krieg der Sterne“).
  3. Heimkehr
    1. Verweigerung der Rückkehr: Der Held will nicht in den Alltag zurück.
    2. Die magische Flucht: Der Held wird, ob durch innere oder äußere Einflüsse, zur Rückkehr bewegt. Das kann wieder ein Abenteuer sein, muss aber nicht.
    3. Rettung von außen: Auch bei der Rückkehr kann der Held (bewusste oder unbewusste) Unterstützung benötigen, um wieder in den Alltag zurückkehren zu können. Nicht selten zahlt sich hier eine unscheinbare Tat auf dem Hinweg aus.
    4. Rückkehr über die Schwelle: Der Held kehrt in den Alltag zurück, aber profitiert von den Erfahrungen und der persönlichen Entwicklung, die er auf seinem Abenteuer erlangt hat.
    5. Herr der zwei Welten: Der Held meistert die Balance zwischen dem Materiellen und dem Spirituellen. Er hat innerliche und äußerliche Zufriedenheit erlangt.
    6. Freiheit zu leben: Der Held und oft auch seine Umgebung haben die Furcht vor dem Unbekannten und dem Schrecken des Todes besiegt. Sie können zuversichtlich das Leben genießen und sind befreit von den existenziellen Sorgen, die sie vorher plagten.

Diese Strukturen funktionieren seit Hunderten von Jahren, es ist also nicht das Schlechteste, sich beim Schreiben ein wenig daran zu orientieren, auch wenn man sich (gerade bei der Heldenreise) nicht sklavisch an jeden Punkt klammern sollte.

Die Veröffentlichung

Traditionell versucht man, ein Buch über einen Verlag zu veröffentlichen. „Verlag“ kommt von „vorlegen“, und das bezieht sich darauf, dass der Verleger das Geld vorlegt, um so ein Buch veröffentlichungsreif zu kriegen. Er bezahlt Lektorat, Korrektur, Cover, Layout, Druck und Vertrieb. Es gibt aber auch Verlage, die nichts vorlegen. Das sind einerseits On-Demand-Verlage wie Books on Demand, Epubli, Tredition oder Amazon Kindle Direct Publishing, die als Dienstleister auftreten und transparent für ihre Leistungen Gebühren verlangen (oder auch im Fall von Kindle keine Gebühren verlangen, aber dafür nur eingeschränkt verbreiten). Im einfachsten Fall liefert man denen zwei PDF-Dateien ab (eins fürs Cover, eins für den Buchblock), und die kümmern sich um Druck und Vertrieb (auch für E-Books), und dann bekommt man in bestimmten Zeiträumen eine Abrechnung über die Verkäufe und die entsprechenden Anteile an den Verkaufspreisen. Für mehr Geld übernehmen die On-Demand-Verlage aber auch Lektorat, Layout und Einbandgestaltung.

Andererseits gibt es aber auch Druckkostenzuschussverlage, die oft mit Annoncen wie „Verlag sucht Autoren!“ nach Opfern suchen, die dann umschmeichelt werden, um sie dazu zu bringen, viele tausend Euro für die Herstellung einer bestimmten Anzahl von Büchern zu bezahlen. Verkäufe im Buchhandel sind dort nicht zu erwarten, das ganze Geschäftsmodell beruht auf der Eitelkeit der unbedarften Autoren, die nach einiger Zeit das Angebot bekommen, die unverkauften Exemplare ihrer Werke für weiteres Geld zu kaufen, um sie vor der Vernichtung zu bewahren. Druckkostenzuschussverlage sind seit über 100 Jahren berüchtigt, aber leider noch nicht ausgerottet worden.

Bei einem richtigen (großen) Verlag unterzukommen, ist sehr schwer, wenn man nicht die Punkt erfüllt, die ich ganz oben erwähnt habe. Oft werden direkt von Autoren eingesendete Manuskripte gar nicht erst gelesen, weil die Verlage damit überschwemmt werden. Wer seine Chancen verbessern will, muss sich von einem Literaturagenten vertreten lassen. Der kriegt auch erst Geld, wenn er ein Manuskript bei einem Verlag unterbringt. (Bei Mangas ist es übrigens etwas entspannter; da hat man bei großen Mangaverlagen mit Direktbewerbungen noch realistische Chancen auf einen Vertrag, wenn man gut ist.)

Die Frage ist: Braucht man heutzutage noch einen Verlag? Wenn man seine Werke in den normalen Buchhandlungen sehen will, dann ja. Und da ist auch nicht jeder Verlag hilfreich, es muss schon ein bekannter Verlag sein. Buchhandelsketten wie Thalia lassen sich von den Verlagen gute Platzierungen (auf Tischen) auch bezahlen, das können sich kleine Verlage nicht leisten. Kleine Verlage haben gerade in den letzten Jahren auch Schwierigkeiten, überhaupt im ganzen Buchhandel verfügbar zu sein, weil die großen Barsortimente sie nicht mehr listen und viele Buchhandlungen sich scheuen, direkt bei Verlagen zu bestellen.

Kleinere Verlage sind allerdings dennoch sinnvoll, wenn man das ganze Drumherum wie Cover, Lektorat oder Layout nicht leisten kann oder will. Allerdings redet einem dann auch jemand rein, damit muss man ebenfalls zurechtkommen. Die Werbebudgets sind auch sehr begrenzt, das Anpreisen wird man im Wesentlichen also selbst übernehmen müssen, eventuell gibt es aber dann Hilfe beim Organisieren von Lesungen.

Die Leute, die wohlhabend, vernetzt oder begabt genug sind, um all das zu erledigen (bzw. erledigen zu lassen), was nötig ist, um ein Buch druckreif zu kriegen, können sich getrost an On-Demand-Verlage wenden. Es gibt (anders als bei richtigen Verlagen) keine Garantiezahlungen, aber pro Buch einen höheren Anteil am Verkaufspreis, man hat mehr Möglichkeiten, seine eigenen Vorstellungen durchzusetzen (was natürlich auch von Nachteil für die Qualität sein kann), und die Werke sind zumindest in den großen Onlineshops meist gut erhältlich.

Von den Einnahmen leben kann übrigens kaum jemand. Also vergiss die ganze Scheiße oder …

PS: Ich habe schon mal erwähnt, dass man mich für Lektorate anheuern kann. Das kann gelegentlich aus Zeitgründen schwierig werden, aber ich möchte trotzdem darauf hinweisen, zumal ich euch auch an eine Kollegin weiterempfehlen kann. Ich kann auch ein Buchlayout machen (oder Lettering für Comics) und euch ein druckfähiges PDF liefern. Nur Coverbilder kann ich euch nicht zeichnen, aber ich kann euch Kontakte zu einigen Zeichnerinnen vermitteln. Meldet euch also, falls ihr was in der Hinsicht braucht.

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