Klopfers Blog

Nuff! Ich grüße das Volk. :hi:

Falls ihr in den letzten 12 Monaten ein bisschen aufmerksam wart, wird euch aufgefallen sein, dass ein gewisses Virus weltweit für ein wenig Aufregung gesorgt hat. Da ist es zu erwarten, dass sich das in den Medien niederschlägt: Im Fernsehen gab es Sondersendungen und spezielle Logos und Trailer, die zum Drinbleiben und Durchhalten animierten, Zeitungen veröffentlichen seit einem Jahr täglich die aktuellen Infektionsmeldungen und was Internetseiten machen, weiß ich nicht, weil ich mich mit diesem neumodischen Zeug nicht beschäftige. :wackel:

Auch Zeitschriften kommen natürlich nicht an diesem Thema vorbei. Ich habe nur eine Zeitschrift abonniert, die BRAVO, die Corona zum ersten Mal in der Ausgabe 05/2020 von Anfang April erwähnte. Die neueste Ausgabe ist die 04/2021, es ist also der ideale Zeitpunkt, um mir mal gesammelt anzuschauen, wie dieses Thema ein Jahr lang in Deutschlands Jugendzeitschrift Nummer 1 behandelt wurde. Und ihr dürft dabei sein! Yay! :victory: (Von der BRAVO Girl! habe ich nicht ganz so viele Ausgaben. Falls Interesse besteht, werde ich aber zumindest in den Ausgaben mal schauen, welche Spuren Corona dort hinterlassen hat.)

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Anfang 2020 wurde die Erscheinungsweise der BRAVO auf monatlich umgestellt - im Endeffekt bedeutete das dann 13 Ausgaben für das letzte Jahr. Das ist natürlich eine wesentliche Erleichterung für mich: 26 (oder gar wie früher 52) Ausgaben am Stück durchzuackern, hätte mich vermutlich bekloppter gemacht, als ich eh schon bin.

05/2020

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Erscheinungsdatum: 01.04.2020

Es gibt tatsächlich in der Ausgabe nur eine Erwähnung der Krankheit. Die Chefredakteurin schien beim Schreiben auch etwas erschlagen zu sein von all den Neuigkeiten zur Pandemie.

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Ob man sich tatsächlich bewusst dafür entschieden hat, die BRAVO als Medium zum Entfliehen des Alltags zu gestalten, oder ob der Redaktionsschluss schon zu nahe war, als die ganzen Nachrichten eintrafen, wird wohl ein Geheimnis bleiben.

06/2020

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Erscheinungsdatum: 29.04.2020

Hier schlägt sich auf dem Cover die Krise immerhin an zwei Stellen nieder: Der Spruch "Negativ auf Langeweile getestet" wäre der Redaktion vermutlich unter normalen Umständen eher nicht in den Sinn gekommen. Und das Cover verspricht "20 Dinge, die wir durch Corona lernen ... und die wir NIE mehr vergessen sollten". Tatsächlich gibt's im Heft aber noch ein paar mehr Inhalte, die durch das Geschehen inspiriert wurden. Es fängt wieder an bei der Mitteilung der BRAVO-Chefin Hucki.

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Hucki ist immer noch voll genervt von Corona und findet, man sollte das Heft benutzen, um sich abzulenken oder die Corona-Maßnahmen wenigstens ein bisschen entspannter zu sehen. Mal sehen, wie das gelingt.

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Bei den Streaming-Tipps klappt das schon mal nicht: Das Bild, mit dem auf Seite 5 die Netflix-Doku "Pandemie" beworben wird, schlägt schon ein wenig aufs Gemüt. Dafür wird's aber später heiter, und zwar schon auf Seite 64!

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Lockdown-Koller und die wachsende Gleichgültigkeit gegenüber Körperpflege und gesunder Ernährung sind natürlich die ersten Sachen, mit denen man in der Bravo-Redaktion mal so richtig zeigt, wie viel die Journalistenausbildung bei Bauer Media taugt. Das ist dann nämlich die ideale Einstimmung auf den Artikel auf Seite 66.

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Ich habe ja keine großen Ansprüche an die Tiefgründigkeit von Bravo-Artikeln, aber ich hatte mir doch etwas mehr vorgestellt als diese Plattitüden wie "Wir sind alle gleich", "Familie und Freunde sind wichtig" und "Nett sein!", die man im Prinzip schon seit Jahren bei jedem verschissenen Interview im Heft mitkriegt, wenn mal wieder irgendein Influencer gefragt wird, was ihm trotz des "Fame" ganz doll wichtig ist.

07/2020

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Erscheinungsdatum: 27.05.2020

Auch hier auf dem Cover hat sich die Pandemie zweimal verewigt: "Notwendiger Mindestabstand 0 cm" ist eindeutig von den Corona-Regeln inspiriert. Und natürlich fordert das Heft "Vergesst die Umwelt nicht! Warum der Klimawandel noch schlimmer ist als Corona", was natürlich an die etwas bockigen Reaktionen einiger junger grüner Aktivisten und Schulverweigerer zu der Zeit erinnert, die total stinkig waren, weil sie nicht mehr dieselbe Aufmerksamkeit kriegten wie noch im Jahr zuvor.

Das ist dann tatsächlich auch der einzige Inhalt mit Corona-Bezug im Heft.

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Natürlich freut man sich über die sauberere Luft und die Erholung der Tierwelt. Allerdings kommt der Aufruf zu Flugverzicht und Urlaub daheim schon ein bisschen heuchlerisch rüber, wenn die BRAVO in Nicht-Pandemie-Zeiten fröhlich Promis und Influencer abfeiert, die ihren Arsch keine zwei Wochen am Stück in einem Land parken können, riesige Häuser und Autos auf Youtube präsentieren und Instagram mit Fotos aus aller Welt fluten.

08/2020

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Erscheinungsdatum: 24.06.2020

Auch hier dient die Kopfzeile als Erinnerung daran, dass nicht alles so ist, wie es noch ein Jahr zuvor war: "Ferienziel für 2020: Haustralien". Man will sich gar nicht vorstellen, wie schlimm die Kalauer waren, die für diesen Platz ebenfalls im Rennen waren und dann gegen diesen Spruch verloren haben.
Im Heft selbst gibt's fast ganz am Ende die einzige andere Erwähnung von Corona, und zwar bei den Fragen, die man der BRAVO-Redaktion bei Instagram gestellt hatte.

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Ich will es mal nett ausdrücken: Die Qualität des Hefts ist offenbar nicht abhängig von der räumlichen Nähe der Redakteure zueinander.

09/2020

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Erscheinungsdatum: 22.07.2020

Das Cover ist wieder eine Art Suchbild, aber schließlich wird man fündig. "Liebes-Lockdown: Lina und Tilman im Pärchen-Talk", heißt es auf schnodderfarbenem Hintergrund. Ihr wisst nicht, wer das ist? Pech, bei den meisten Nasen, die in der Bravo heutzutage präsentiert werden, lässt sich die Redaktion nicht mehr dazu herab zu erklären, wer die eigentlich sind und warum man die kennen sollte. Bei dem besagten Paar kann man sich das wenigstens zusammenreimen, aber dazu komme ich noch.

Zuerst können wir uns nämlich der Foto-Lovestory widmen! Ihr habt sicherlich schon die ganze Zeit mit den Füßen gescharrt: Wann spiegelt sich die Pandemie endlich auch im Aushängeschild des Magazins? Endlich ist es so weit:

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Kleines Problem dabei: Corona findet eigentlich nur im Erklärtext am Anfang und in den ersten paar Panels statt, weil "der Corona-Lockdown" ja schuld an der Trennung wäre. Ansonsten trägt kein Mensch Maske, Abstand hält auch niemand - die ganze Geschichte wurde sichtlich so konzipiert, dass man sie problemlos in drei Jahren wiederverwenden kann, indem man einfach nur sämtliche Corona-Erwähnungen aus dem Text streicht.

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Da sind wir ja bei Lina und Tilman. Die Bilder verraten immerhin, dass die wohl bei Bibi & Tina mitgespielt haben und Musik veröffentlichen, weil ... na ja, halt jeder, der wegen irgendwas berühmt wird, sich irgendwann für einen Sänger oder Musiker hält. Zum Lockdown: Die beiden erzählen eigentlich nur, dass sie wegen der Corona-Sache zum ersten Mal in der gemeinsamen Wohnung für längere Zeit so richtig aufeinanderhockten und das gar nicht so schlecht fanden, aber auf Dauer dann noch psychisch belastend, weil sie in einen Alltagstrott gerieten. Tiefschürfende Erkenntnisse halt.

10/2020

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Erscheinungsdatum: 19.08.2020

Die Corona-Anspielung in der Kopfzeile ist zurück, diesmal mit "Händeschütteln ist so 2019". Mehr wird nicht versprochen - was wohl nicht verwunderlich ist, da sich im Sommer die Corona-Lage entspannte. Das setzt sich im Heft fort: Dort gibt es nur auf Seite 7 eine Sammlung von "3 verrückten Fakten rund um Corona".

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Der erste Fakt ist besonders verrückt: Der erste Film, der nach dem Lockdown in Los Angeles gedreht wird, hat einen Riverdale-Star als Hauptcharakter! Wie bizarr! :mwhaha: (Ich schätze, am gleichen Tag haben auch andere Studios wieder angefangen zu drehen, insofern halte ich diesen "Fakt" für eine Ente und bin schwer enttäuscht von der journalistischen Integrität der BRAVO. :despair: )

11/2020

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Erscheinungsdatum: 16.09.2020

Zero Covid ist zumindest auf dem Cover dieser Ausgabe schon erreicht, allerdings wird der freie Platz nicht genutzt, um das Magazin aufzuwerten. Das Genöle wegen "Hate" geht seit Jahren so, "was wirklich zählt", erzählen einem in jedem Heft mindestens drei verschiedene Leute (und es sind immer dieselben Dinge), und dass es "6 Poster" und "+2 Super-Poster" gibt, sagt mir im Wesentlichen, dass selbst die Redaktion die ersten sechs Poster eher lausig findet.

Die erste Corona-Erwähnung gibt es dann in einem Artikel über "TikTok-Star" Benee, deren Lied dank der Pandemie offenbar zu einem Erfolg wurde.

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Der Status als Mega-Newcomer wird dadurch zementiert, dass die BRAVO (zumindest meiner oberflächlichen Recherche zufolge) bis heute kein weiteres Wort über das Mädel verloren hat.

Ein Interview mit Darstellern der (mir unbekannten) Serie "Biohackers" bietet die Gelegenheit, einen schon einmal gehörten Gedanken wieder ins Bewusstsein zu bringen.

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Weiterer positiver Nebeneffekt: Zweieinhalb Millionen tote Menschen atmen auch nicht mehr so viel CO2 aus. :popel: Ich meine, der Klimawandel ist ein großes Problem, aber bei einer großen Pandemie in erster Linie darauf hinzuweisen, wie dufte die fürs Klima ist, könnte etwas unsensibel gegenüber den Leuten rüberkommen, die tatsächlich unter den Auswirkungen dieser Seuche (und sei es indirekt durch die Eindämmungsmaßnahmen) zu leiden haben.

12/2020

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Erscheinungsdatum: 14.10.2020

Diesmal darf die Kopfzeile wieder für eine Anspielung herhalten: "Halloween 2020 ... immerhin müssen diesmal ALLE Masken tragen!" Das böse C-Wort verkneift man sich aber wieder. Und auch im Heft selbst darf Corona nur am Rand auftreten.

Es war auch das letzte Heft vor der US-Präsidentschaftswahl 2020, und die BRAVO versprach, den jungen Lesern alles beizubringen, was sie über die Wahl wissen müssten. Erwartungsgemäß sind die Sympathien klar verteilt.

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Vermutlich kann man aber nicht allzu streng sein: Selbst deutsche Presseerzeugnisse für Erwachsene konnten sich eher selten dazu überwinden, auch aufzuzählen, was viele Leute (auch Demokraten) an Joe Biden störte.

Trotz der globalen Bedeutung der US-Wahl sollte man den Blick auf Deutschland nicht vergessen: Gastronomie und Unterhaltungsstätten eingeschränkt, viele Leute in Kurzarbeit oder in extremen Geldnöten, Pflegepersonal in Krankenhäusern und Altenheimen am Limit, viele Unternehmen am Rand des Bankrotts ... was ist da also das wirklich wichtige Thema, das die BRAVO gerne ansprechen möchte?

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Genau. Hat nichts mit Corona zu tun, aber ich konnte nicht widerstehen, euch diesen Quatsch zu zeigen. Besonders schön: der "Darf man auch dagegen sein"-Abschnitt, der für den oberflächlichsten Beobachter den Eindruck von Objektivität vermitteln könnte, aber natürlich ist klar, dass die große Verkündung, dass Gendern voll wichtig sei, moralisch gar keinen Platz für die Haltung lässt, dass man auch dagegen sein könnte (zumindest als guter Mensch). (Ein Klassiker bei diesem Thema ist natürlich die ständige Betonung darauf, dass man sich Gedanken machen solle, was die Sprache bewirkt, obwohl die Studien und auch die Beobachtungen in der Welt größtenteils eher gegen diese ganzen Theorien sprechen, die hinter dem Gendern stehen. "Hör auf die Wissenschaft" ist nur bei bestimmten Themen erlaubt.)

13/2020

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Erscheinungsdatum: 11.11.2020

Ich schätze, die "Bleib zu Hause und chill: 10 Serien, die auf deine Watchlist müssen"-Schlagzeile ist eine Anspielung auf das Social Distancing. Was nichts mit Corona zu tun hat, aber ich trotzdem ansprechen will: "Fame durch Zocken - so startest du einen erfolgreichen Twitch-Channel" ist mal wieder totaler Rotz. Wie so ziemlich in jedem BRAVO-Artikel in dieser Art (die es z.B. auch zu Youtube-Kanälen gab, ein weiteres Beispiel sind die Fanpages, die auf dem Cover von Ausgabe 8 erwähnt werden) wird viel palavert, aber es ist kaum etwas konkret Anwendbares dabei. Vermutlich hat man Angst, die Leser zu überfordern.

Nach so langer Zeit zeigen sich auch für die Bravo die wirklich schlimmen Folgen der Pandemie.

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Genau. Die Pandemie ist so schon schlimm, aber dass eine Boyband ihre neue Single und die Comeback-Tour verschieben muss, hebt die ganze Angelegenheit endgültig auf die oberste Katastrophenebene. :ach:

Wenige Seiten weiter gibt es mal wieder einen Artikel über Billie Eilish, in der ihr erneut reichlich Zucker in den Arsch geblasen wird. Auch ihr vorbildliches Verhalten in der Corona-Krise wird gelobt.

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Ihre Swarovski-FFP0-Maske ist wirklich so was von easy und stylisch, aber beim besten Willen kein Mundschutz. :rumms: Wenn ich nicht so eine niedrige Meinung über die BRAVO-Macher hätte, würde ich vermuten, die wollten mit dieser Bildauswahl trollen. So denke ich aber bloß, dass da nur behämmerte Blunzbirnen sitzen. :ha:

Gebt es zu, ihr habt in den letzten zwei Minuten nicht an die Umwelt gedacht! So geht das natürlich nicht! :gelb:

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Verdammt, und dann müssen wieder Bonzenkinder um die ganze Welt jetten, um sich persönlich anzuschauen, welche verheerenden Auswirkungen ihr mit euren Masken habt, damit sie die deutsche Bevölkerung im Fernsehen ordentlich schulmeistern können! Nun landet das, was wir in Deutschland wegwerfen, gar nicht so oft im Ozean (und jetzt noch viel weniger, da es nur noch wenige Länder gibt, die den Industriestaaten ihren Plastikmüll abnehmen), insofern redet einem die BRAVO ganz umsonst ein schlechtes Gewissen ein.

Die BRAVO erinnerte sich schließlich daran, dass es auf Weihnachten zuging. Also stellte man noch schnell eine Liste zusammen - und sorgte so für die Corona-lastigste Ausgabe des Jahres 2020.

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Die "5 Dinge, die dieses Weihnachten anders sind", zeugen allerdings nicht von überschäumender Kreativität: Die Punkte lassen sich auf "Wir können Familie und Freunden nicht auf die Pelle rücken" und "Wir spachteln zwar so viel, dass wir fett werden, können uns aber nicht auf dem Weihnachtsmarkt und bei den Großeltern durchfressen" reduzieren.

01/2021

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Erscheinungsdatum: 09.12.2020

"2020 hätte noch schlimmer sein können. Ein Wort: Pizzaverbot!" Hmmmm.... Wenn sie statt Pizza Pekingente oder Frühlingsrollen genannt hätten, gäbe es sicher einen Shitstorm wegen ganz schlimmem Rassismus. :klarerfall:
Adleräugige Leser werden am Fuß des Covers die Ankündigung einer Story über OnlyFans erblickt haben. Ja, die BRAVO stellt eine Plattform für Leute ab 18 vor und das wird garantiert nie ein Bumerang werden. :kicher:

Zum Jahresausklang darf BRAVO-Chefin Hucki noch einmal stöhnen, wie doof Corona 2020 war.

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Aus dem Wiedersehen im nächsten Jahr wird allerdings nichts: Bauer beschließt, sämtliche Mitarbeiter vom BRAVO-Magazin abzuziehen und das Heft ab 2021 (also Ausgabe 02) von einem externen Redaktionsbüro gestalten zu lassen.

An einer Stelle in all den Heften, die ich nicht mehr wiederfinde, stand bei Konzertterminen ein kleiner Nebensatz in der Art von "hoffen wir, dass diese Termine gehalten werden können", aber es wurde nirgendwo ausdrücklich davon geschrieben, dass ganz schön viele Kinofilme zeitlich oder auf Streaming-Plattformen verschoben wurden. Beim Kinoplaner für 2021 gibt man es endlich offen zu.

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Aber wie viele Leute mit Schamhaarwuchs freuen sich jetzt wirklich noch auf einen Minions-Film? :fragehasi:

Ich würde jetzt gerne sagen, dass man bei der Foto-Lovestory in dieser Ausgabe die Pandemie elegant eingeflochten hat. Allerdings muss ich euch enttäuschen, denn man hat einfach nur eine alte Story wiederverwendet, und zwar "Die Fake-Freundin", die ich 2019 den Premium-Mitgliedern vorgestellt habe. (2020 wurden wirklich viele Geschichten wiederverwendet, die meisten aber am Anfang des Jahres, als sie noch nicht einmal Corona als Ausrede hatten.)

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Neben einigen nicht auf Corona bezogenen Textänderungen hat man unten auf der Titelseite einen Hinweis abgedruckt: "Diese Foto-Lovestory ist Monate vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie produziert worden." Das ist nicht wirklich falsch, aber da die Geschichte 2018 schon mal erschienen ist, könnte man auch von Jahren reden. Am meisten erstaunt mich der Zusatz aber, weil die BRAVO so einen Hinweis bei allen anderen Foto-Lovestorys überhaupt nicht für nötig hielt. Ob das daran liegt, dass in dieser Geschichte an einer Stelle mehrere Leute aus verschiedenen Haushalten in einer Küche sitzen? :ehwas:

Auch in dieser eigentlich letzten Ausgabe des Jahres 2020 musste noch eine Seite mit einer Liste gefüllt werden: "5 Dinge, die du 2020 noch machen musst".

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Drei davon haben einen Corona-Bezug. 1. Leute telefonisch nerven, die man wegen Corona nicht persönlich belästigen konnte. 2. Klamotten ausmisten. Den Hinweis, dass sich das Rote Kreuz freuen würde, halte ich für absurd. Das DRK verteilt die Kleidung aus den Altkleidercontainern nicht an Bedürftige, das DRK lässt die Lumpen von anderen Unternehmen sortieren und verkaufen und kriegt dafür etwas Geld. Allerdings kann nun selbst gebrauchte Kleidung kaum mehr verscherbelt werden. 3. Sich selbst finden, was man eigentlich schon gemacht haben sollte, weil man ja so lange mit sich allein war. Ich muss zugeben, dass mich diese Selbstfindungssache irgendwie irritiert. Dass man mal darüber nachdenkt, was man gerade mit seinem Leben anfangen will - klar, gerne. Aber diesen großen Akt, den manche Leute daraus machen, diese nahezu mystische Überhöhung, als wenn das Universum ein bestimmtes Schicksal für einen vorgesehen hätte und man diese vorgegebene Bestimmung finden müsste, führt doch sicher mehr in die Irre, als dass sie hilft. Und bei vielen Leuten habe ich schlicht keine Ahnung, an welchen Orten die eigentlich überall nach sich suchen.

02/2021

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Erscheinungsdatum: 06.01.2021

Das Cover der ersten richtigen Ausgabe des neuen Jahres ist Corona-frei: Selbst die "Wege aus der Krise", die man sich von den "Riverdale"-Stars abgucken soll, beziehen sich auf keine Krise, die irgendwas mit Corona zu tun hätte.

Die BRAVO hat seit längerer Zeit schon etwas mit dem Playboy gemein. Leider nichts von den guten Sachen: Unter dem Stichwort Lifestyle gibt es kaum getarnte redaktionelle Werbung für allerlei Tand und Trödel, der gerade voll im Trend ist. Und diesmal sogar mit Corona-Bezug:

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Und natürlich werden den Jugendlichen als Trend-Accessoire Fitnessuhren zwischen 70 und 440 Euro angepriesen, weil offenbar jeder Teenager das Kind von Robert Geiss ist.

Die weitere Corona-Erwähnung stammt eigentlich nicht aus der Redaktion selbst: Stattdessen zitiert man einen Lieblingsbeitrag in den sozialen Medien. Diesmal findet man voll gut, was eine Frau über häusliche Gewalt schreibt. Sie ist dagegen.

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Der Empathy-Gap zeigt sich mal wieder: Männliche Opfer von häuslicher Gewalt erwähnt die Frau ganz selbstverständlich nicht, nicht mal Jungen. (Nach einer parlamentarischen Anfrage in Berlin gab es direkt während des Lockdowns übrigens recht geringe Steigerungen der Anzeigen wegen häuslicher Gewalt, größere Steigerungen gab es davor und danach. Und: Die größten Steigerungen gab es bei männlichen Opfern häuslicher Gewalt.)

Die letzte Corona-Erwähnung gibt es dann, wenn die Bravo-Redakteure mal wieder als Journalisten LARPen und einen Blick auf die Telegram-App werfen.

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Da darf nämlich der Hinweis nicht fehlen, dass sich Querdenker über Telegram zu Demos gegen die Corona-Maßnahmen verabreden, auf denen man die Abstände und die Maskenpflicht nicht einhält und wo auch Nazis mitlaufen. (Ist schon erstaunlich, was da alles miteinander rumläuft. Von links über violett bis rechts ist da wirklich alles bei.)

03/2021

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Erscheinungstermin: 03.02.2021

Nanu, das Thema ist (für BRAVO-Verhältnisse) mit voller Macht zurück: Nicht nur die Kopfzeile "Ich war mehr in Lockdowns als in Beziehungen" spielt darauf an, es wird sogar der Artikel "Dein SOS-Plan gegen Langeweile im Lockdown" angepriesen. Ich hoffe, die (neue) Redaktion hat sich da nicht gleich übernommen.

Ambitioniert sind die Redakteure aber: Diesmal gibt es sogar eine Doppelseite zum Thema Corona-Impfstoff und den Impf-Maßnahmen.

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Hucki hätte so etwas vermutlich nicht erlaubt. :D

Dann hat man aber wieder ein halbes Heft lang Ruhe, bis auf Seite 64 der angekündigte SOS-Plan gegen Langeweile präsentiert wird.

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Guck doch Serien oder Filme! Oder spiel was! Lern ein Instrument oder eine Sprache! Koch was!
Wer nicht allein drauf gekommen ist, dass man all diese Sachen in seiner neu erlangten Freizeit machen kann, ist vermutlich zu diesem Zeitpunkt schon eingegangen. Insofern: netter Versuch, BRAVO, aber viel zu spät.

Schließlich dürfen wieder junge Serienschauspieler (diesmal aus der mir ebenfalls vollkommen unbekannten Serie "His Dark Materials") zu Wort kommen, weil die natürlich genau wissen, wie man die Welt verbessern kann. Im Interview spricht die BRAVO aber auch den Lockdown an und fragt, wie die Darsteller damit zurechtkamen.

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Kurz: Sie haben die ganze Zeit vor dem Fernseher verbracht. Danke für das Gespräch.

Das normale Leservolk wird von der BRAVO dann per Instagram befragt: Gehört man eher zu den aktiven Sportskanonen oder zu den gemütlichen Couchkartoffeln?

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Und trotzdem gibt es eine BRAVO Sport und keine BRAVO Rumgammeln. Buh!

04/2021

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Erscheinungsdatum: 03.03.2021

Die Ausgabe davor war nur ein Ausrutscher: Das Cover des aktuellen Hefts zeigt sich wieder coronafrei. Dafür ist man im Magazin umso bereitwilliger, auf die aktuellen Gegebenheiten anzuspielen.

Den Anfang macht ein Interview mit der Boyband "Why Don't We?", die schon wenige Monate vorher davon erzählen durfte, dass die Pandemie ihre Single-Veröffentlichung und die Tour verzögert hatte. Aber nun dürfen die Jungs sich auch darüber beschweren, dass sie ihre Fans und einander gar nicht sehen durften.

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Wenn ich nach üblichen Boyband-Maßstäben gehe, sollten sie die Zeit genießen: Kann nicht mehr so lange dauern, bis mindestens ein Mitglied allen anderen auf den Sack geht und im Streit verduftet. :kicher:

Danach darf auch Max Giesinger erzählen, wie es ihm erging. Offenbar hat er in der Zeit eine Pause eingelegt.

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Ich kann mir nicht helfen, aber irgendwie klingt "Corona kam, und ich dachte mir, eine Pause wäre mal schön" doch sehr nach "N-nein, nicht DU machst mit MIR Schluss, ICH mache mit DIR Schluss!" Immerhin war es ja nicht seine Entscheidung, dass er derzeit nicht auftreten kann.

Gelegentlich gibt es im Leben von Jugendlichen auch andere Themen als Promis, zum Beispiel die Schule. :hehehe: Die BRAVO möchte ihre Leser gerne mit Lerntipps unterstützen, Homeschooling und Lockdown ohne allzu große Verdummung zu überstehen.

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Die Tipps selbst sind aber üblicher Standardkram und nicht speziell auf die Beschulung daheim abgestimmt.

Auch die nächste Erwähnung findet eher am Rand statt, auf der Seite mit "7 nervigen Situationen in der Bahn".

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Die junge Frau mit Maske auf dem Titelbild hat aber nur wenig Bezug zum Inhalt, am ehesten noch in Punkt 2, in dem es darum geht, dass sich eine müffelnde Person neben einem befindet - und dann nicht mal die Maske hilft.

Danach streckt sich die BRAVO-Redaktion wieder und widmet sich im "Biden-Check" der US-Politik.

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Im Wesentlichen ist das ein "Biden ist besser als Trump, weil uns seine Versprechungen besser gefallen"-Artikel. Natürlich wird auch dort Corona erwähnt, weil Biden versprochen hat, die Impfraten zu steigern (allerdings war in den letzten Trump-Wochen die Impfrate sowieso schon recht dicht an Bidens Ziel dran). Auch in der Migrationspolitik hat sich faktisch nichts Wesentliches geändert, was auch kein Wunder ist, da Trump eigentlich nur Maßnahmen der vorherigen Obama/Biden-Regierung verschärft hatte. Aber das erfährt man natürlich nicht aus der BRAVO, und so wird Biden auch wegen seines Ziels gefeiert, den Strom in den USA bis 2035 ohne fossile Brennstoffe zu erzeugen, was natürlich viel besser ist als Deutschlands Ziel, bis 2038 aus der Kohleverstromung auszusteigen. (Die USA haben anders als Deutschland aber auch nicht vor, die Kernkraftwerke abzuschalten.) Als Check ist das ein bisschen dünn und so, als hätte man damals Trump gute Noten gegeben, weil "Make America Great Again" so ein toller Slogan wäre.

Damit wären wir mit einem Jahr Corona in der BRAVO durch, und falls ich zwischendurch etwas pissig gewirkt habe, ist das auch vollkommen korrekt so. Abgesehen von dieser einen Doppelseite über die Impfung benahm sich die Redaktion wie ein genervtes Kind. "Corona ist voll lästig, weil wir uns alle nicht mehr treffen können und keine Konzerte stattfinden und wir so viel zu Hause hocken müssen, buhu, aber immerhin freut sich die Umwelt und eigentlich würden wir uns sowieso viel lieber um Rassismus, Gender und Umwelt kümmern, weil wir uns da so schön überlegen fühlen können." Bah.

Ich kann verstehen, wenn man vielleicht das Gefühl hatte, dass das Thema generell überall präsent war und man sein eigenes Heft nicht auch noch damit überfrachten wollte. Ich kann auch nachvollziehen, wenn man dachte, dass man sowieso immer viel zu spät dran ist, weil alles Wichtige ja schon übers Internet und Fernsehen gesagt wurde. Aber das ist ein Problem, was alle Printmagazine haben. Und wenn man nicht mit Tempo punkten kann, dann sollte man es mit Qualität versuchen, anstatt sich auf quengelndes "Lockdown is voll doof, ne?" zurückzuziehen.

Die BRAVO ist immer noch ein Magazin für Jugendliche und alles rund um Sars-CoV-2 ist etwas, was selbst für viele Erwachsene recht kompliziert ist. Die BRAVO hätte da als Informationsmedium für junge Leute strahlen können, anstatt sich in die Belanglosigkeit zu flüchten. Warum heißen Coronaviren so? Was ist der R-Wert? Warum reden die Großen immer von Inzidenzschwellen? Was hat es mit Aerosolen auf sich? Was ist der Unterschied zur Grippe? All das hätte man in der BRAVO jugendgerecht aufbereiten können, so wie die sich ja auch bemühen, den Blagen ihr Untenrum und Ferkeleien zu erklären. Die einzige Anstrengung in dieser Richtung gab es aber erst, als es um die Impfung ging. Das ist zu wenig.

Natürlich wird mir auch eine besondere Schwierigkeit bewusst: Es gibt gerade heutzutage mehr miese Journalisten als gute, und der Großteil derjenigen, die bei der BRAVO arbeiten, ist mir bislang nicht als Menschenschlag aufgefallen, der Informationen umfassend recherchieren, verstehen und aufbereiten kann. Ein Influencer könnte ihnen im Interview erzählen, dass sein Schwanz aus purem Gold ist, und die würden das ohne Nachfrage drucken. Aber man darf ja wohl noch von etwas Professionalität träumen dürfen, oder? :gehnicht:

Ich würde mich freuen, eure Eindrücke und Gedanken zu dem Thema zu lesen. Sind meine Erwartungen an die BRAVO Quatsch? Ist es erfolgversprechender für das Heft, den inhaltlichen Kurs so fortzusetzen, wie er gerade ist? Sollte es wieder mehr nackte Menschen in der BRAVO geben? :hehehe: Schreibt's in die Kommentare! (Und auch, ob ich mir die Bravo Girl noch anschauen soll.)

Anderes Thema: Ich habe in den letzten Tagen einen großen Teil des Klopfers-Web-Systems umgeschrieben und modernisiert. Hoffentlich funktioniert es nicht schlechter als vorher. Als Nebeneffekt gibt es jetzt auch bei mehr Formularen für Mitglieder einen Countdown, der einem sagt, wie lange das Formular gültig ist. (Allerdings sollte man aufpassen, falls man einen Browser benutzt, der Tabs bei Inaktivität in einen Sparmodus schickt, weil das meistens auch den Countdown anhält und der einem dann nicht mehr zuverlässig sagt, ob das Formular so abgeschickt werden kann oder nicht.) Außerdem gibt es beim Bilder-Upload in der LLD jetzt eine Vorschau des ausgewählten Bildes, bevor man den Beitrag abschickt. Falls euch Fehler auffallen, meldet euch (am besten per privater Nachricht oder E-Mail).

Und nachdem ich gesehen habe, dass ich im letzten Monat mit dem Amazon-Partnerprogramm ganze 6,91 Euro verdient habe, muss ich doch mal wieder WERBUNG machen: Unterstützt mich bitte mit Buchkäufen und Premium-Mitgliedschaften, kauft bei Amazon über GuterSex und beim Geek-Versand GetDigital.de über meinen Partnerlink ein oder schaut euch bei Humble Bundle nach interessanten Angeboten aus dem Spiel-, Software- und Buchbereich um. Derzeit gibt zum Beispiel Bundles zu Do it Yourself, Selbsthilfe und Web Development, aber auch Sonderaktionen für Spiele aus dem Age of Empires-Universum, Games mit weiblichen Hauptcharakteren und welche mit Göttern und/oder Monstern.

Ich danke euch für eure Aufmerksamkeit. Bis dann! :bye:

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Pärchentalk - Er will, sie nicht

Veröffentlicht am 10. Mai 2016 um 17:14 Uhr in der Kategorie "Teeniezeitschriften"
Dieser Eintrag wurde bisher 38 Mal kommentiert.
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Wie kann man Klopfers Web unterstützen?

Text veröffentlicht im November 2017
Klopfer erzählt, wie man helfen kann, Klopfers Web zu erhalten und besser zu machen - sowohl ohne als auch mit Geldeinsatz. [mehr]

Rakshiir (Profil)
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Mal ehrlich, ist doch schön dass Corona nix an der Qualität der Bravo geändert hat. Wenn sie plötzlich halbwegs seriöse Töne hätte, wäre das doch irgendwie langweilig.

Was übrigens den Gender Quatsch angeht und das "richtige" ansprechen: Gibt mittlerweile Personen, die im englischen sich dafür aussprechen, dass man Gruppen von Personen nicht mehr mit "hey guys" anreden darf, weil man ja die Frauen nicht beachtet, weil guys ja maskulin wäre. Dass das Wort von der Wortbeschreibung schon über Jahre hinweg als neutrales Wort für Menschengruppen gilt, ist dabei sicher egal. Aber zum Glück hat eine der Personen die sogar n Video darüber gemacht hat nicht irgendwann mal getwittert und den Tweet beendet mit "Gonna miss you guys" :D

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Geschrieben am
Lucaria (Profil)
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Allgemein stimme ich dir zu, dass so ein großes Magazin wie die Bravo wirklich mehr Informationen über Corona hätte bringen können... Platz dafür hätten sie gehabt und man sollte meinen, zu Corona-Zeiten gäbe es weniger Klatsch und "News" über "Stars" zu berichten... Schade!

Beim Thema gendern und geschlechtergerechte Sprache merke ich, dass unsere Einstellungen in verschiedene Richtungen gehen. :crazy:
Ich bin sehr für mehr geschlechtergerechte Sprache, auch in Form von neutralen Formulierungen oder Beidnennung, bin aber auch durch mein Studium (Soziale Arbeit) sehr sensibilisiert, was das Thema angeht.
Interessant finde ich, dass du sagtest, es gäbe Studien, die eher belegen, dass Gendern keinen positiven Effekt habt - kannst du mir dazu was nennen? Ich hab bisher eigentlich nur Studien gelesen, die dafür sprechen, dass Gendern einen Unterschied in der Wahrnehmung macht. :schulterzuck:

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Geschrieben am
mischka (Profil)
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@Klopfer: Ich habe auch Interesse an den Studien die Lucaria da anspricht!

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Geschrieben am
Klopfer (Profil) (Website)
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Diese Studien, die den Effekt des Genus angeblich beweisen, geben das meist gar nicht her, weil sie gar nicht das Genus untersuchen, sondern Berufsstereotypen (Belles Lettres hatte das hier mal schön auseinandergenommen, ab Minute 59). Quellen sind da auch angegeben. Ironischerweise sind's eben oft die Studien, die Genderaktivisten gerne angeben, die bei genauem Hinsehen keinen Effekt belegen können.
Außerdem hilft einfach mal ein Blick in die Welt: Deutsch, Isländisch, diverse schwedische und norwegische Dialekte unterscheiden Maskulinum, Femininum und Neutrum; Französisch, Italienisch, Spanisch und Irisch noch Maskulinum und Femininum. Slawische Sprachen haben oft sogar noch mehr Genera.
Gar kein Genus haben beispielsweise Türkisch, Chinesisch, Japanisch, Persisch und Süd- und Zentralkurdisch. (Die Hälfte aller Sprachen der Welt haben kein Genus, zumindest kein Nominalgenus.)
Sind in den Gesellschaften in der Türkei, China, Japan oder Iran tatsächlich offener, was die Gleichbehandlung von Frauen angeht, als Deutschland, Island, Schweden, Norwegen oder Frankreich? Wohl kaum. Der Theorie nach müsste gerade Europa die Hölle sein für emanzipierte Frauen und der große Rest anders. Dass dem nicht so ist, ist klar. Entweder hat das Genus also gar keinen Einfluss oder der Einfluss ist wirklich so winzig, dass er sehr leicht überlagert wird.
Die ganze Gendersprachsache ist einfach nur ein Ausdruck einer immer größeren Verzweiflung in Feministenkreisen, warum diese verdammten Geschlechterunterschiede nicht kleiner werden, sondern größer, je gleichberechtigter Männer und Frauen sind, so als gäbe es eben doch biologische Unterschiede und nicht nur anerzogene.

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Geschrieben am
(Geändert am 10. März 2021 um 15:31 Uhr)
Sajoma (Profil)
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@Rakshiir: Kann aus glaubhafter Quelle versichern, dass es dazu Vorschriften in internationalen Unternehmen gibt, die fordern, dass die Angestellten sich untereinander inzwischen nur noch mit "Hey folks" anschreiben dürfen, eben weil "Hey guys" Frauen ausschließen soll.

@Klopfer: Hast du zum Thema wissenschaftlicher Belege bzgl des Genderns eigentlich mal einen Artikel verfasst? Mir fällt gerade keiner ein, aber ich bin auch irgendwie zu faul, danach zu suchen... Würde mich jdfls interessieren. So als detailliert aufgearbeitete Kolumne.

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Klopfer (Profil) (Website)
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Nein, bisher nicht. Ich hab überlegt, ob ich mal einen Artikel generell über Behauptungen aus der Feminismus-/Gender-Studies-Ecke und ihren Realitätsbezug schreiben sollte, aber ich fürchte, wenn ich damit anfange, wird das so lang, dass sich das auf der Seite keiner durchliest, aber für ein eigenes Buch noch zu dünn wäre. :kicher: Mal sehen.

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Geschrieben am
ZRUF (Profil)
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Komm schon, gib dir einen Ruck : bittebitte:

Ich bin heute aus allen Wolken gefallen, als ich in einer E-Mail-Signatur folgendes gelesen habe: Pronouns: He, him, His

War ein amerikanischer Kollege...

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qwzt (Profil)
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Das Problem ist doch auch, dass Gendern nur vortäuscht das Problem gelöst zu haben. Wenn ich "Arzt" sage, meine ich jemanden, der den Beruf ausübt, völlig egal ob männlich, weiblich oder divers. Wenn jemand Ärztin sagt, hat das für mich immer den Beigeschmack von "Hey, hättest du gedacht das Frauen auch Ärzte werden können?". Ja, hab ich gewusst, es sollte niemanden überraschen. Das eigentliche Problem wird verdeckt. Das Problem ist, dass man niemanden zwingen kann Gleichberechtigung wirklich zu akzeptieren. Mein Opa hat einmal nach einem Arztbesuch gesagt, es sei gar kein Arzt dagewesen, nur so ein Mädl. Das ist natürlich sexistisch, aber glaubst du wirklich du könntest ihn zwingen umzudenken wenn du ihm vorgenderst? Die alte Garde stirbt nach und nach aus, das ist ein langwieriger Prozess und das gefällt natürlich niemandem. Aber von heute auf morgen kann man keinen gesellschaftlichen Wandel erzwingen. Man muss natürlich in den Prozess eingreifen, indem man in der Erziehung z.B. darauf achtet, niemanden in Rollen zu drängen.
Ich habe oben geschrieben, dass ein Arzt auch divers sein kann. Das ist auch ein Punkt, denn ich nie verstanden habe. Innerhalb des ersten Jahres haben sich ganze 69 Personen als divers eintragen lassen, offensichtlich gab es also da gar kein Problem, bzw. gäbe es viele Baustellen die mehre als ein paar dutzend Leute betreffen würden. Aber Hauptsache man hat Millionen ausgegeben um sämtliche Formulare zu aktualisieren.

Ist das gleiche bei Frauenquoten. Da wurde ja auch mal rumgeschrien, dass die Hochschulen in Deutschland ganz schlimm sexistisch sind, weil nur ungefähr ein Drittel der Lehrstühle mit Frauen besetzt ist. Schaut man sich aber an wer sich auf die Stellen bewirbt stellt man fest, dass es nur ein Drittel Frauen sind. Ergo: Ein Drittel der Bewerber und ein Drittel der Berufenen sind weiblich, genauso wie man es Statistisch bei völliger Gleichberechtigung erwarten würde (vorausgesetzt natürlich man nimmt an, dass die Geschlechter gleich befähigt sind). Führt man solche Quoten ein, führt das nur dazu, dass qualifizierte Männer den Job nicht bekommen, weil sie eben das Pech hatten als Mann geboren worden zu sein. Eine gute Freundin von mir hat sich da erst kürzlich drüber beschwert, weil sie in ihrem Dualen Studium (im Maschinenbau) die einzige Bewerberin war und deshalb genommen wurde. Sie hätte auch locker die Noten gehabt um die Stelle so zu ergattern, aber durch die Quote hatte es eben immer einen faden Beigeschmack Eine andere Freundin wurde auch wegen der Quote angenommen, obwohl sie mindestens eine Notenstufe schlechter war als die anderen Bewerbe die genommen wurden. Sie hat später selbst gesagt, dass sie eigentlich nicht für den Job qualifiziert war und auch recht schnell abgebrochen.


Weil es gerade auch aktuell Thema ist: Der Gender-Pay-Gap, nachdem Frauen bis gestern angeblich umsonst gearbeitet hätten, bzw. ab heute rechnerisch gleich bezahlt werden wie Männer wie die Tagesschau ganz groß angekündigt hat. Schaut man sich die Zahlen an erklärt sich schon mal ein großer Teil dieses Gaps darüber, dass Frauen häufiger in Sozialberufen arbeiten, die alle samt unterbezahlt sind. Ein männlicher Kindergartenerzieher bekommt aber auch keinen Cent mehr als seine Kolleginnen (wie mir ein Bekannter bestätigen konnte). Gleichzeitig entscheiden sich viele Frauen auch gegen eine Karriere und dafür bei den Kindern zu bleiben. Natürlich sollte es Frauen ermöglicht werden aus den traditionellen Rollenbildern rauszukommen, aber wenn man pauschal einfach allen Frauen unterstellt, sie würden sich quasi zwingen lassen zu Hause zu bleiben nimmt man ihnen damit ihr Recht auf Selbstbestimmung. Bei meinem Beispiel mit den Hochschulprofessoren: Schaut man sich an wer sich prinzipiell für die Stellen qualifiziert gibt es keinen großen Unterschied zwischen den Geschlechtern. Ergo entscheiden sich viele Frauen diese Karriere nicht weiterzuverfolgen. Gerade diese Gruppe stellt aber die Hochgebildeten da, ich würde diesen auch unterstellen, einigermaßen Selbstbewusst zu sein und vor allem selbständig Denken zu können. Wer also behauptet, hier sei reiner Sexismus am Werk, der ist in meinen Augen der eigentliche Sexist, da er den Frauen eben abspricht eigene Entscheidungen treffen zu können.


Mir ist klar, dass ich mich damit jetzt bei einigen hier unbeliebt mache. Das Problem ist, dass die ganze Debatte so emotional aufgeladen ist, dass viele keine rationalen Argumente hören wollen. Ich bin, glaube ich, auch an ein zwei Stellen etwas pampig geworden, dafür möchte ich mich schonmal entschuldigen (hab gerade keine Lust das nochmal durchzulesen, muss eh gleich ins Bett). Bin da nur mittlerweile auch etwas genvert/frustiert, da hat sich gerade mit dem wiederaufgreifen des Gender-Pay-Gaps einiges aufgestaut. Hab auch gerade über die Frauenquote schon häufiger mit einer Freundin debattiert. Sie gibt mir zwar immer wieder recht damit, dass die Quoten wahrscheinlich mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen, feiert ihre Einführung aber trotzdem. Wie ich schon gesagt habe, wird das Problem damit aber nicht gelöst, sondern nur verdeckt. Zudem verhärten sich die Fronten, weil man gerade beim Gendern doch schnell das Gefühl hat "Achso, sonst haben sie keine Probleme. Dann passt ja eigentlich alles".
Gerade der geringe Frauenanteil in technischen Berufen liegt aber ja nicht daran, dass Frauen da prinzipiell untalentiert seien. Es ist einfach so, dass ein Mädchen, das schlecht in Mathe ist, sich da nicht so einen Kopf machen muss. Hab häufig mitbekommen, das Eltern und auch Lehrer dann gesagt haben "macht ja nichts, dafür bist du gut in Sprachen", während die Jungs sich hinsetzen und lernen mussten. Denen wurde dann selbes bei Sprachschwächen gesagt. Und auch noch früher ist es nach wie vor sehr komisch, wenn ein Junge mit Puppen spielt, während Mädchen eher von Bastelsätzen ferngehalten werden. Ich behaupte, dass sich da schon früh manifestiert, dass Frauen eher in erzieherischen Berufen arbeiten und Männer in technischen.
Noch eine Anekdote zum Abschluss: Meine Cousine und ich sind gleich alt und haben als Kinder sehr viel Zeit miteinander verbracht. Ich weiß noch, dass wir einmal mit ihren Puppen gespielt haben, und ich dafür dann von unser beider Eltern belächelt wurde, was mir natürlich unangenehm war. Beide haben das zwar nicht böse gemeint, aber an solchen Punkten könnte man beispielsweise ansetzen. Meine Cousine wollte dann später unbedingt ein Junge sein und z.B. keine Kleider anziehen und eben auch nicht mit Puppen spielen, da hat ihre Mutter tatsächlich ziemlich hart dagegen angekämpft und war z.B. auch dagegen, dass sie einem Fußballverein beitritt. Genau an diesen "Kämpfen" muss man ansetzen um wirklich was zu verändern, und zwar auf beiden Seiten. Aber das schafft man halt nicht mit Gesetzen oder ähnlichem, sondern nur mit Aufklärung und viel Geduld. So ein Prozess dauert Generationen, insofern ist es eh erstaunlich wieviel wir in den letzten Jahrzehnten geschafft haben. Wenn ich mich richtig erinnere durften Frauen noch bis in die siebziger oder achtziger nicht ohne schriftliche Erlaubnis ihrer Ehemänner arbeiten, heute ist sowas bei uns unvorstellbar.
Ansonsten müssen die Rollenbildänderungen auch für beide Seiten gelten. Bereits erwähnte Freundin z.B. will auf jeden Fall Karriere machen, aber trotzdem eine Familie gründen und macht sich deswegen ein bisschen Sorgen. Ich habe dann vorgeschlagen, dass ja auch ihr Mann bei den Kindern bleiben könnte. Da hat sie mich dann angeschaut, kurz überlegt und dann gesagt: "Das möchte ich nicht, der soll schon selber arbeiten, ich will nicht das der nur faul daheim rumsitzt und mir auf der Tasche liegt." Sowas habe ich schon öfter mitbekommen, Männer die nicht Karriere machen sind faul, Frauen aber überlässt man die ganze harte Hausarbeit und Kindererziehung. Hausarbeit und Kindererziehung sind ein Vollzeitjob, da gibt es nichts zu diskutieren, aber warum sollte das für Männer leichter sein?
Frauen haben es nach wie vor schwerer, das ist leider so und ja, es sollte dringend geändert werden. Gendern verschandelt aber nur die Sprache, macht Texte schwer lesbar und teilweise fast unverständlich und ist reine Augenwischerei.

So, das ist jetzt doch deutlich länger geworden als gedacht, sorry dafür.

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Klopfer (Profil) (Website)
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Inzwischen schließen sogar mehr Frauen als Männer das Medizinstudium ab (aber es tendieren mehr Ärztinnen dazu, den Beruf nach einigen Jahren wieder aufzugeben, als es männliche Ärzte tun, was auch zum Ärztemangel in diversen Bereichen und Regionen beiträgt). Beim Jurastudium sieht's seit einigen Jahren genauso aus.
Generell sind Mädchen und Frauen erfolgreicher, was Bildung angeht, sie bilden die Mehrheit bei den Schul- und Hochschulabsolventen. Das schlägt sich dann auch später auf den "Gender Pay Gap" durch: bei jüngeren Arbeitnehmern ist der in modernen Ländern sogar deutlich umgekehrt, da verdienen Frauen mehr als Männer, weil sie eher in Berufen starten, für die ein Studium nötig ist und die daher besser bezahlt werden.

Im Endeffekt wird oft ein Missstand propagiert, der gar nicht da ist oder der sowieso verschwindet (wie eben Opis, die mit Ärztinnen nichts anfangen können). So wird's auch bei dieser Gendersache sein. Ich meine, welche Lehrerin fühlt sich überhaupt nicht vertreten, wenn es heißt: "Lehrer verlangen bessere Bezahlung"? Welche Ärztin wird bockig auf ihrem Platz sitzenbleiben, wenn eine panische Stimme im Kino fragt: "Ist ein Arzt anwesend?" Und wer denkt umgekehrt bei "Hebammen fordern besseren Schutz vor Klagen" denken: "Puh, warum fordern die Männer das in dem Beruf nicht?" Dass sich da jemand wirklich nicht repräsentiert fühlen würde, halte ich für eine künstlich aufgebauschte Empörung, keine echte Emotion.

Dass Frauen es allgemein schwerer hätten als Männer, würde ich überhaupt nicht unterschreiben. Sicher sehen sie sich einigen Herausforderungen gegenüber, mit denen Männer nicht konfrontiert sind, aber umgekehrt ist das auch der Fall, insgesamt hält sich das sicher eher die Waage, als dass da ein wesentlicher Gerechtigkeitsunterschied besteht.

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Gast (Profil)
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Zur Problematik der Identitätspolitik und den linken Parteien:
https://www.zeit.de/politik/deutschland/2021-03/identitaetspolitik-spd-linke-saskia-esken-wolfgang-thierse-debatte/komplettansicht

Es ist doch etwas schräg, dass wir es geschafft haben, den wissenschaftlich nicht haltbaren Begriff der Rasse aus dem Grundgesetz zu streichen und gleichzeitig sollen wir bei der Hautfrabe genauer hinschauen? Ich denke unwillkürlich immer an den Anfang von Full Metal Jacket:
https://www.youtube.com/watch?v=va56WrfyKkE

Und natürlich gibt es Ausbeutung und Ungerechtigkeiten und die müssen angegangen werden. Und dass Frauen heute gleiche Rechte haben, war ein langer Kampf. Gab Kantone in der Schweiz da durften Frauen bis in die 1990er nicht wählen. Muss man sich vorstellen, nicht irgendwo, sondern mitten in Europa. Frauen ahebn einen Jahrhudnerte langen Kampf hitner sich, um da zu stehen wo sie sind, soltle man auch anerkennen und dass es eben nicht überall auf der Welt so ist und dass manche vielleicht Sorge haben, dass auch bei uns as Rad wieder zurückgedreht werden könnte, eine Partei wie die AfD wirbt ja auch dafür und Teile der CDU/CSU sähen das sicherlich auch gerne.

Ich bezweifle allerdings auch den kausalen Zusammenhang zum Gendern. Wie schon angeführt gibt es auch Sprachen ganz ohne Geschlecht, das Ungarische zum Beispiel. Jetzt ist die Regierung Orban nicht gerade durch progressive Gleichstellungspolitik aufgefallen. Mich stört das Gendern allerdings auch nicht übermäßig. Kann man doch machen, bricht mir keinen Zacken aus der Krone. Aber ich nehme nicht an, dass Worte alleine reichen werden, um Ungerechtigkeiten zu beseitigen. Da gehören schon Taten zu. Und da bin ich ganz bei Thierse, das beständige Schauen auf kleinste Unterschiede treibt uns auseinander, anstatt zu schauen, wo die gemeinsamen Ziele liegen, um Mehrheiten zu bilden. Die bessere Bezahlung für Pflegeberufe zum Beispiel kriegt man nur über einen Gesellschaftlichen Konsens hin, der auch klar sagt, wer dafür aufkommt, denn es erzeugt nur mehr Kosten, die müssen getragen werden. Und erst wenn man Mehrheiten organisiert, die auch sagen, ja, ich gebe etwas von meinem Geld ab, ich nehme hin, dass andere Anliegen dafür nicht so gefördert werden können, dann erreicht man was. Aber liebevoll von Pflegenden zu reden und auf dem Balkon zu klatschen bringt keinen Cent gehalt mehr.

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Klopfer (Profil) (Website)
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dass auch bei uns as Rad wieder zurückgedreht werden könnte, eine Partei wie die AfD wirbt ja auch dafür

Inwiefern? Von der AfD selbst habe ich noch nie vernommen, dass sie das Wahlrecht für Frauen einschränken wolle. :kratz: Ich kann mir höchstens vorstellen, dass die AfD was am Abtreibungsrecht ändern wird, aber Änderungen, was die normalen Bürgerrechte für Frauen angeht, sind - bei aller Abneigung gegen die Partei - wohl eher ein Schreckgespenst ihrer Gegner als tatsächliches Parteivorhaben.

Die Schweiz ist, was das Frauenwahlrecht angeht, auch ein Extremfall (und resultierte daraus, dass das Wahlrecht an die Ableistung des Wehrdiensts gekoppelt war, also auch nicht jeder Mann automatisch wählen durfte).
Man sollte nicht vergessen, dass in Deutschland Männer das allgemeine, freie und gleiche Wahlrecht auch nicht viel früher bekommen haben; in Preußen auf Landesebene sogar erst gleichzeitig mit den Frauen, auf Bundesebene auch erst 1871, also nicht mal 50 Jahre früher.

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(Geändert am 11. März 2021 um 6:11 Uhr)
Rakshiir (Profil)
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@Sajoma
Das wundert mich kein bischen.
Ich finds nur lächerlich wenn man sich über ein Wort ärgert was seit Jahren bereits eigentlich Genderneutral ist.
Und irgendwie widerspricht das für mich auch der Logik. Will man nun gleich behandelt werden, oder besonders rausgehoben werden aus der Masse? Beides gleichzeitig ist ja wohl kaum möglich - wird aber ja scheinbar verlangt.
Mal davon ab dass wie Klopfer sagt man das Problem damit nicht löst. Jemand der wirklich Frauenfeindlich ist, wird sich nicht ändern weil er sie nicht mit Guys anredet. Und ein Ausländerfeindlicher Mensch wird auch nicht plötzlich anders, weil er nicht mehr Mohrenkopf sagen darf.

Es gibt bestimmt noch Dinge die verbessert werden können, weils das nunmal auch immer gibt. Auf mich wirkt das wie Jammern auf extrem hohem Niveau, weil man ja sonst seine Daseinsberechtigung verliert wenn man nicht was neues findet, über das man sich aufregen kann. Das wirklich traurige daran ist, dass es Stellen/Länder gibt, in denen die Missstände komplett übersehen werden, während man sich aufregt über die Benutzung von einem Wort...

Und ich fange garnicht an über Fälle in denen Männer von vorneherein sich nicht bewerben sollten, weil sie die garnicht einstellen werden. Komischerweise ist die Diskriminierung heutzutage aber ok

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Lucaria (Profil)
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@Gast ich glaube, niemand der gerne gendert, denkt, dass durch gendern alleine alle Probleme verpuffen. Ich auch nicht. Aber wenn es ein Baustein wäre, könnte man da ja ansetzen - ich möchte aber keine Diskussion lostreten.

@Klopfer Ich würde schon sagen, dass Frauen es schwerer haben als Männer, würde aber niemals behaupten, Männer hätten es nicht auch schwer in der Gesellschaft. Beide haben ihre eigenen Herausforderungen, aber da Frauen viele Rechte erst vergleichsweise kurz haben (da hatte @Gast ja ein paar Takte zu geschrieben) und lange unterdrückt wurden, würde ich das für meinen Teil nicht gleich setzen. ABER:

Ich bin sowieso dafür, nicht mit dem Finger aufeinander zu zeigen und lauter zu rufen, wer es denn jetzt schlechter hat. Ich finde es wichtig, dass man an allen Punkten ansetzt, an denen der Schuh drückt und dass all diese Probleme wichtige Probleme sind, an denen gearbeitet werden sollte.

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Klopfer (Profil) (Website)
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Ich würde schon sagen, dass Frauen es schwerer haben als Männer, würde aber niemals behaupten, Männer hätten es nicht auch schwer in der Gesellschaft. Beide haben ihre eigenen Herausforderungen, aber da Frauen viele Rechte erst vergleichsweise kurz haben (da hatte @Gast ja ein paar Takte zu geschrieben) und lange unterdrückt wurden, würde ich das für meinen Teil nicht gleich setzen.

Ich find's auch nicht zielführend, mit dem Finger aufeinander zu zeigen, aber mich würde doch mal interessieren, inwieweit Frauen es deiner Meinung nach konkret schwerer haben als Männer? Das mit den Rechten, die vergleichsweise kurz da sind, verfängt meiner Meinung nach nicht. Jetzt haben sie sie, und der größte Teil der Frauen, die heute in Deutschland leben, kennt es auch gar nicht anders.
(Zumal vieles, was als "erst kürzlich beseitigtes Unrecht" gilt, auch oft eher Mythos ist als Realität, etwa die Geschichte, dass Ehefrauen angeblich bis in die 70er die Erlaubnis des Ehemannes brauchten, um arbeiten zu dürfen, was in dieser Form schon seit dem Ende des 19. Jahrhunderts nicht stimmte.)

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Gast (Profil)
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@Klopfer, also sehr konkret hat vor 7 Jahren im Nachbarlandkreis hier der Krippenplatz 900 Euro gekostet, weil die regierende CDU Fraktion gesagt hat, ein Kleinkind gehört zur Mutter (eine Position, die auch ganz offiziell im AfD Wahlprogramm steht). Und weil Sie Krippenplätze anbieten mussten, aber niemand vorschreibt, was die kosten sollen, haben die es finanziell sehr unattraktiv gemacht. Denn die 900 Euro musst Du als Mutter erstmal Netto reinholen. Und dann hat die Krippe ja auch noch Schließtage, Dein Kind ist ab und zu krank usw. Das ist schon Politik, die explizit darauf abzielt, ein bestimmtes Lebensmodell zu fördern, weil durch ökonomische Hindernisse diese Option bevorzugt wird. Der Landkreis hier, SPD regiert hat dagegen die Krippenplätze kostenfrei gemacht. Ich will da keine Parteiwerbung machen, da muss man ja auf mehr schauen als nur die Kinderbetreuung, aber das die verschiedenen Parteien verschiedene Lebensmodell bevorzugen, ist wohl kein Geheimnis. Dafür muss man nicht das Frauenwahlrecht wieder abschaffen.

Schaut man in die Familienpolitik der AfD in deren Wahlprogramm geht es schon darum die traditionelle Familie zu fördern, möglichst viele (Deustche) Nachkommen sollen entstehen usw. Die wollen die Homo-Ehe wieder abschaffen, also ja, die wollen das Rad zurückdrehen. Wie soll man das denn sonst nennen? Und durchaus auch auf Gesetzgebungsebene.
Alleinerziehende sollen nur dann finanziell unterstützt werden, wenn sie das nicht selbst verschuldet haben. Also kann eine Frau, die sich von ihrem Mann scheiden lässt (warum auch immer), fortan nicht mehr auf Unterstützung durch den Staat verlassen.

@Lucaria, Das Probelm mit dem Baustein ist, wenn man ein Haus bauen will udn sich Jahrzehnte um einen Legostein streitet, während die hitner einem die Mauer wegtragen, legt man falsche Prioritäten. Ich ahbe das so oft an der Uni erlebt... Beispiel Berufungsverfahren. Da wurde die eine Frau wirklich benachteiligt, weil die Professoren größtenteils nicht zu ihrem Bewerbungsvortrag kamen, hinterher aber befanden, die wäre fachlich nicht geeignet. Ich habe das an die Gleichstellungsvertrauensperson der Uni weitergegeben, Antwort: im Auschreibunsgtext steht alles richtig drin, also kann es hier keinen verfahrensfehler geben. Ja, man kann viel Energie darein stecken, dass da steht "Bei gleicher Qualifikation werden Frauen bevorzugt eingestellt." (wobei ich den Satz auch ziemlich problematisch finde), aber dann wegschaut, ist nichts gewonnen. Papier ist geduldig, es ändert aber auch nichts.

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Klopfer (Profil) (Website)
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@Klopfer, also sehr konkret hat vor 7 Jahren im Nachbarlandkreis hier der Krippenplatz 900 Euro gekostet, weil die regierende CDU Fraktion gesagt hat, ein Kleinkind gehört zur Mutter (eine Position, die auch ganz offiziell im AfD Wahlprogramm steht). Und weil Sie Krippenplätze anbieten mussten, aber niemand vorschreibt, was die kosten sollen, haben die es finanziell sehr unattraktiv gemacht. Denn die 900 Euro musst Du als Mutter erstmal Netto reinholen. Und dann hat die Krippe ja auch noch Schließtage, Dein Kind ist ab und zu krank usw. Das ist schon Politik, die explizit darauf abzielt, ein bestimmtes Lebensmodell zu fördern, weil durch ökonomische Hindernisse diese Option bevorzugt wird. Der Landkreis hier, SPD regiert hat dagegen die Krippenplätze kostenfrei gemacht. Ich will da keine Parteiwerbung machen, da muss man ja auf mehr schauen als nur die Kinderbetreuung, aber das die verschiedenen Parteien verschiedene Lebensmodell bevorzugen, ist wohl kein Geheimnis. Dafür muss man nicht das Frauenwahlrecht wieder abschaffen.

Und was hat das jetzt speziell mit Frauenrechten zu tun? Familienpolitik geht ja nicht nur Mütter an, und meistens sind die Kosten eben auch nicht nur Frauensache. Krippenplätze zu teuer zu machen, sorgt ja auch nicht für mehr Hausfrauen, sondern für weniger Kinder, weil es nun mal Lebensrealität für die meisten ist, dass ein Alleinverdiener keine Familie ernähren kann. (Ist ja nun auch nicht der sehnlichste Herzenswunsch vieler Mütter, unbedingt Vollzeit zu arbeiten.)

Schaut man in die Familienpolitik der AfD in deren Wahlprogramm geht es schon darum die traditionelle Familie zu fördern,

Ist jetzt per se nichts Schlechtes. Stabile Familienverhältnisse in der Kindheit mit zwei Elternteilen (also nicht dauernd wechselnde Partner und Wohnorte) sind der größte Beitrag (nach der Zeugung), den Eltern leisten können, um bei ihren Kindern Kriminalität zu verhindern und Erfolg in der Schule und später im Beruf zu sichern. Das ist natürlich doof, wenn es in der Partnerschaft wirklich ums Verrecken nicht klappt und man es nicht vermeiden kann, sein Kind allein großzuziehen. Aber die Vorteile der traditionellen Familie lassen sich trotzdem nicht einfach wegdiskutieren, nur weil sie die Vorstellung von einer gerechten Welt stören.

möglichst viele (Deustche) Nachkommen sollen entstehen usw.

Gut, die AfD meint das vermutlich jetzt eher aufs Biodeutsche bezogen, aber vom Wortlaut selbst kann ich da jetzt auch nichts Verwerfliches finden. Natürlich sollen mehr Kinder entstehen (das ist schon wegen der Rente das Ziel so ziemlich jeder Regierung seit Kriegsende) und natürlich sollen es Deutsche sein (ob biologisch oder durch Assimilation, ist mir dabei (im Gegensatz zur AfD) ziemlich wumpe, aber größere Parallelgesellschaften helfen uns gesellschaftlich auch nicht - jede dauerhafte Einwanderung sollte mit einer Assimilation in die deutsche Gesellschaft enden).

Die wollen die Homo-Ehe wieder abschaffen, also ja, die wollen das Rad zurückdrehen.

Inwieweit ist das jetzt konkret ein Frauenrecht?

Alleinerziehende sollen nur dann finanziell unterstützt werden, wenn sie das nicht selbst verschuldet haben. Also kann eine Frau, die sich von ihrem Mann scheiden lässt (warum auch immer), fortan nicht mehr auf Unterstützung durch den Staat verlassen.

Hm, im Wahlprogramm von 2017 ist das so formuliert: "Der Vorteil einer besonderen Unterstützung durch die Solidargemeinschaft sollte nur denjenigen Alleinerziehenden gewährt werden, die den anderen Elternteil nicht aus der Teilhabe an der Erziehungsverantwortung und praktischen Erziehungsleistung hinausdrängen."
Gefällt mir jetzt so auch nicht, weil es ja gerechtfertigte Gründe dafür geben kann, dass man den anderen Elternteil nicht dabeihaben will. (Ich gehe auch mal davon aus, dass mit "besonderer Unterstützung" nicht das Kindergeld gemeint ist, weil das nicht besonders wäre.) Ich weiß aber nicht, welche besondere Unterstützung es dann überhaupt sonst noch gibt (mal abgesehen davon, dass der Staat Unterhaltsvorschuss zahlt, wenn der Partner keinen Unterhalt leistet, wobei das dann möglichst auch beim Partner wieder eingetrieben wird). Und da überschneidet sich die Frage dann wieder mit denen der Väterrechte, weil es heutzutage so ist, dass Vätern oft die Ausübung ihres Sorgerechts durch die Mütter verwehrt wird, Gerichte sich aber in vielen Fällen weigern, das durchzusetzen, und die Väter aber trotzdem Unterhalt zahlen müssen. Und da kann ich durchaus auch die andere Seite verstehen, die sagt, dass man da einen finanziellen Hebel ansetzen könnte, um den Vätern zu helfen, denen der Umgang mit ihren Kindern verwehrt wird. Das ist eine schwierige Frage, aber nicht per se eine unfaire Einschränkung von Frauenrechten. Kommt eher auf die konkrete Ausgestaltung an und inwieweit berücksichtigt wird, welche Gründe für die Erziehungssituation vorliegen.

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(Geändert am 12. März 2021 um 4:26 Uhr)
Rakshiir (Profil)
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@Lucaria
Dass jedes Geschlecht so seine Probleme hat ist richtig. Im Endeffekt hat jeder Mensch seine eigenen Probleme, je nach Situation usw.
Persönlich denke ich allerdings auch, dass es mittlerweile deutlich weniger Missstände gibt. Das heisst nicht dass alles perfekt ist (das wird nie so sein) - aktuell finde ich allerdings, dass die Probleme immer größer geredet werden, je weniger da sind. Teilweise kommt es mir so vor als wären unsere Lebensverhältnisse so schlecht wie im Mittelalter, so laut wie manche schreien.
Was mich daran noch mehr stört als die Ignoranz gegenüber dem geschafften, ist was im Moment gefühlt garnicht angeschaut wird. Und das sind Sachen die ich persönlich erleben musste. Wer mal durch ne ganze Schulzeit geht und Opfer von allen Möglichen Aktionen war fragt sich, warum darüber kein Mensch redet. Es wird gerne mit dem Finger auf Dinge gegen Frauen gezeigt, auf Dinge gegen Ausländer weil wir Deutschen ja alle böse böse Nazis sind, aber Themen wie Mobbing? Das ist scheinbar ok und normal.
Natürlich hab ich n Stand dazu, weil ich vieles abbekommen habe. Bin aber der Meinung dass solche Dinge immer noch sehr aktuell sind. Nicht das es leicht ist was dagegen zu tun, weil Kinder und Jugendliche da einzufangen oft nicht einfach ist. Aber Ausgrenzung passiert eben nicht nur nicht deutschen Kindern. Kleiner fun fact zum Schluss dazu: Viele dieser Kids und Jugendlichen die mich in der Schule immer wieder als Ziel ausgewählt haben, sind nicht deutscher Herkunft - insofern gibt es auch einige Fälle, in denen die Täter - Opferverteilung nicht so ist, wie viele das gerne darstellen. Und wir reden hier von einem Gymnasium...

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mischka (Profil)
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@Lucaria: Ich denke nicht, dass es Männer oder Frauen schwerer haben. Ich denke aber, dass einige dazu neigen, die eigenen Probleme größer einzuschätzen, als die der anderen.

Ich z.B. hätte kein Problem damit, wenn mir von Frauen hinterher gepfiffen würde. Wenn man mir im vorbeigehen sagen würde, dass mein Arsch sehr sexy aussieht (tut er auch), würde ich das eher als Kompliment verstehen. Für viele Frauen sieht die Sachlage aber anders aus, für sie ist es eine Belastung.

Und zum Thema struktureller Benachteiligungen, so sind beide Geschlechter benachteiligt, je nachdem, auf welchen Aspekt man schaut.

Beispiel Kindererziehung.
Ich kenne ein Paar, dass in ein anderes (nicht EU-)Land ausgewandert ist. Nun war ein Urlaub in Deutschland geplant. Sie flog aus einem Vorwand eine Woche vorher. In Deutschland angekommen, hat sie Anzeige erstattet und der Polizei erzählt, ihr Mann sei nur mit ihr ins Ausland ausgewandert, weil sie als Frau dort weniger Rechte habe. Er missbrauche angeblich das Kind und hat es entführt. Als er eine Woche später in Frankfurt gelandet ist, hat die Bundespolizei ihn direkt fest genommen und es hat 2 Monate gedauert, bis er aus der U-Haft gekommen ist. Letzten Endes war das ihr Weg ihm zu sagen, dass sie die Scheidung will. Sie wurde von einem Strafgericht rechtskräftig wegen der scheiße verurteilt, die gemeinsame Tochter (12) wollte beim Vater leben, aber das Familiengericht hat der Mutter das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht zugesprochen, mit der Begründung, dass Kinder mehr an der Mutter hängen. Eine Berufung blieb ergebnislos. Erst mit 16 hat die Tochter es geschafft zum Vater zu kommen, indem sie sich selbst einen Anwalt genommen hat (der Vater hat das unterstützt). Der Vater hatte im Ausland ein gut gehendes Unternehmen gegründet, das er verkaufen musste, um in der Nähe seiner Tochter zu sein. Wenn man als Mann nach einer Trennung Zeit mit den Kindern verbringen will, kann die Kindesmutter das ganz gut verhindern. Unsere Familiengerichte treffen hier sehr oft sehr sexistische Urteile.

Beispiel Schule:
Nach Notenbekanntgabe kam eine Schülerin zu mir und fragte, warum sie eine 5 bekäme, sie sei doch immer höflich und lächle ständig. Ihrer eigenen Aussage zufolge, hat das in den 11 Jahren vorher (ich hatte sie in der Q1, also 12, Klasse bekommen) immer für eine 4 gereicht. Daher war sie verwundert, eine 5 (eigentlich sogar eine 5-) zu erhalten. Wenn du als Mädchen kein Mathe kannst, aber immer süß lächelst, kriegst du von vielen Kollegen eher noch eine 4. Wenn du als Junge kein Mathe kannst, bist du im Arsch!
Noch mal Beispiel Schule:
Studien zeigen, dass Mädchen einerseits deutlich mehr "Gnadennoten" erhalten als Jungen. Wenn ein Mädchen aber in MINT-Fächern richtig gut ist, so sind sie eher benachteiligt, da man ihnen das nicht so recht zutraut. Ein Mädchen muss mehr Leistung bringen als ein Junge, wenn es eine 1 in Mathe möchte. Aber sie muss weniger Leistung bringen als ein Junge, um gerade noch so eine Gnadenvier zu bekommen.
Die Gründe dafür sind vielfältig und es würde zu weit führen, diese jetzt zu erläutern, aber es zeigt, dass in der Schule Mädchen gleichzeitig bevorzugt und benachteiligt werden.

Beispiel Straßenverkehr:
Frauen haben eher Angst, dass Ihnen etwas passiert, obwohl Studien zeigen, dass es viel wahrscheinlicher ist, dass ich als Mann angegriffen oder ausgeraubt werde. Daher gibt es Frauenparkplätze, obwohl Männer die deutlich gefährdeteren sind. Hier liegt eine klare Benachteiligung der Männer vor.

Beispiel häusliche Gewalt:
Sag mal als Mann, dass deine Frau dich schlägt und die meißten Kerle lachen dich aus und die Frauen halten dich für ein Schlappschwanz. Die meißten beider Geschlechter sind der Meinung, du hast selbst Schuld.
Sag als Frau, dass dein Mann dich schlägt und sofort wird dir Hilfe angeboten.
Frauen sind zwar häufiger von häuslicher Gewalt betroffen, aber Männer können in diesem Falle auf gar keine Hilfe zurück greifen.
Ich habe mal einen Test im Fernsehen gesehen, wo 2 Schauspieler (eine Frau, ein Mann) sich auf der Straße gestritten haben.
Szenario 1: Die Frau ist verärgert und knallt ihm eine. Die Passanten lachen.
Szenario 2: Der Mann ist verärgert und knallt ihr eine. Ein Passant (wie sich später raus gestellt hat, Amateurboxer) bricht ihm mit einem Schlag den Kiefer, sodass er bewusstlos zu Boden geht.

Beispiel Elternzeit:
Ein Freund seinem Arbeitgeber mitgeteilt, dass er gerne Elternzeit nehmen möchte. Der Arbeitgeber hat ihm gesagt, wenn er das tut, wird er nie wieder befördert. Eine Kollegin von ihm, darf Elternzeit nehmen, da sie das als Frau ja braucht.

Beispiel Sex:
Wenn du als Kerl Sex haben willst, ohne eine Partnerin zu haben, ist es deutlich schwerer eine Kurzzeitpartnerin zu finden, als es für eine Frau ist, die unbefriedigt ist.
Gleichzeitig sind Frauen deutlich häufiger Opfer von sexueller Belästigung. Hier haben beide Geschlechter gewisse Nach- und Vorteile.

Beispiel Hausarbeit:
Es ist wahr, dass Frauen die meißte Hausarbeit machen. Da sind sie benachteiligt. Ein Bekannter von mir hat ein ungewolltes Kind bekommen, d.h. seine Frau wurde schwanger. Da sie mehr verdient, als er, haben die beiden entschieden, dass er den Haushalt schmeißt und sich um das Kind kümmert (natürlich arbeitet er deswegen nur noch halbtags). Viele Freunde und Verwandte haben ihm unterstellt, kein richtiger Mann zu sein. Er wurde als faul bezeichnet und ihm wurde vorgeworfen, den ganzen Tag zu Hause rum zu gammeln (behaupte das über eine Hausfrau und miss die Zeit, bis du blutest). Letzten Endes hat sie sich von ihm getrennt, weil sie ihn aufgrund seiner häuslichen Fähigkeiten nicht mehr als richtigen Mann sondern als Schwuchtel sieht (ihre Worte, nicht meine).
Im Endeffekt darf ich das dann so verstehen, dass man als Mann entweder den Löwenanteil der Hausarbeit der Frau überlasst, oder aber von Freunden/Verwandten und womöglich sogar von der Frau selbst, als Schlappschwanz gesehen wird.

Beispiel Freizeit: Auf einer Tauchsafari sind wir mit 7 Tauchern auf nem Schlauchboot zum Tauchplatz gefahren. Wegen des mäßigen Wellengangs wurde einem Taucher schlecht. Er sagte es dem Guide, der ihm antwortete, er solle sich nicht so anstellen. Er hat so viel gekotzt, und ihm ging es so scheiße, dass er auf den ersten von zwei Tauchgängen verzichtete und nur ein bisschen an der Oberfläche rum dümpelte. Am nächsten Tag hat eine Taucherin gesagt, dass die Fahrt ihr zu viel wird, und zack, wurde die Geschwindigkeit des Bootes so gedrosselt, dass es allen gut ging.

Beispiel dating: Frauen erwarten, dass er alles bezahlen soll. Gleichzeitig wollen sie genau so viel Lohn wie er. Ich finde, das passt nicht zusammen. Wenn er immer alles zahlen soll, braucht er mehr Geld als sie, weil er es für seine eigenen und die Bedürfnisse seiner Dates ausgeben muss. Gerade Männer, die nicht viel Geld haben, betrifft das.

Beispiel Heimwerken: Von Männern wird erwartet, hier den Löwenanteil der Arbeit zu verrichten. Fair geht anders.

Beispiel "Im Zweifel für den Angeklagten":
Sag als Frau, Johnny Depp hat dich misshandelt oder missbraucht und schon hat er ein Problem, weil nun mal gilt, dass der Mann im Zweifel unrecht hat.
Sag als Mann, dass die Frau dich misshandelt oder missbraucht hat und jeder lacht dich aus.
Eine Schülerin hat mal einen Kollegen nach der Schule angesprochen und ihm gesagt, dass sie, wenn er ihr keine 4 gibt, einfach behaupten könnte, er habe ihre Brüste angefasst. Selbst wenn sie es nicht beweisen könnte, würde immer was hängen bleiben. Das Problem der Schülerin: Als sie ihn angesprochen hat, hat er gerade ein Memo für zu Hause auf Band gesprochen, sodass ihr ganzes Gespräch auf Band war (das hat ihre Schulkarriere zumindest an unserer Schule übrigens abrupt beendet).

Ich will ja gar nicht in Abrede stellen, dass Frauen es oft schwerer haben. Aber bei vielen Punkten haben wir Männer es auch schwerer. Daher ist eine pauschale Aussage wie "Männer haben es schwerer" oder "Frauen haben es schwerer" eigentlich immer falsch, zumindest meiner Meinung nach.

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(Geändert am 12. März 2021 um 13:17 Uhr)
Anne Bonny (Profil)
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Als Frau ohne Mann hat man es also einfacher, wenn man Lust auf Sex hat? Versuch mal als häßliche, übergewichtige Frau überhaupt ein Date oder nen Quickie zu kriegen. Vermutlich genau so unmöglich, wie für die meisten Männer.

Ich befinde mich nicht als grundsätzlich benachteiligt, weil ich eine Frau bin und ich sehe Männer nicht immer im Recht, aber gerade im Bezug auf andere Kulturen, darf ich mich als Frau überhaupt nicht hinstellen und etwas sagen. Da lebe ich sehr gefährlich oder werde nicht beachtet. Das erlebe ich im alltäglichen Kontakt mit Kunden. Wenn ich etwas sage, wird diskutiert, es ist nicht wahr, ich will angeblich nur meine Macht (haha) misbrauchen und den Mann schickanieren. Oder ich bin ne Nazischlampe. Oder es baut sich der Kerl vor mir auf und droht mir, was passiert, wenn ich das Büro verlasse, oder er kommt wutentbrannt über die Theke und wird so laut und aggressiv, dass ich Angst bekomme. Beim männlichen Kollegen ist die SELBE AUSSAGE und der selbe Kunde absolut verständnisvoll und da ist ein "nein" plötzlich wirklich ein nein und keine Willkür einer untervögelten, häßlichen Frau mehr.

Ich habs schon mal geschrieben: Zwischen 20 und 35 war es fast unmöglich für mich, eine neue Stelle zu bekommen. Ich könnte ja schwanger werden. Ich wurde mit Jahresverträgen vertröstet und von einem Arbeitgeber zum nächsten weitergereicht, damit ich bloß niemanden mit Kinderzeiten belaste. So viel zur Gleichstellung. Frauen bevorzugt, aber bitte Frauen außerhalb des gebärfähigen Alters.

Meine Nachbarschaft besteht aus Rumänen, Türken und Polen. Die Männer stehen jeden Tag in Gruppen vor den Häusern und rauchen auf dem Bürgersteig. Ich gehe dort täglich allein zum Parkplatz, Bäcker, Arzt, einkaufen... Mal ist es okay und mal muss ich die Straßenseite wechseln, weil sie mich nicht vorbei lassen und es ist schwierig, sich zwischen "ich darf keine Angst zeigen" und "ich will nichts provozieren" entscheiden. Natürlich wollen die von so einer alten fetten Kuh nichts. Aber in der Gruppe sind sie bisweilen übermütig und dann müssen sie mal "zeigen wer in der Straße das Sagen hat" und dann ist man besser nicht in der Nähe.
Als Mann lassen sie einen durch, Kinder und Rentner übrigens auch... komisch, oder?

Ich sage nicht, dass wir überall benachteiligt sind, aber manche Ängste hätte ich als Mann nicht und viele Situationen sind aus meiner Erfahrung bei Männern eben von vorn herein ganz anders.

Was das bezahlen angeht: Durch die jahrelangen Zeitverträge und immer neuen Arbeitgeber verdiene ich (nach Tarifvertrag) natürlich genau so viel wie ein Mann... aber eben einer, der gerade mal ein paar Jahre im Beruf ist. Berufsjahre von anderen Arbeitgebern werden auch im öffentlichen Dienst nicht übernommen. Also bin ich mit Mitte 30 genau so gestellt gewesen, wie ein Mann, der gerade aus der Ausbildung kam.

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mischka (Profil)
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Versuch mal als häßliche, übergewichtige Frau überhaupt ein Date oder nen Quickie zu kriegen.
Klopfer hat doch mal das Experiment gemacht, sich als Frau ohne Foto bei einem Erotik-Portal anzumelden. Er konnte sich meiner Erinnerung nach nicht vor Angeboten retten.

Zu den anderen Punkten: Ja, das ist schlimm, und das muss sich ändern. Wobei das meiste davon in den Köpfen der Menschen und nicht im Gesetzbuch geändert werden muss. Aber genau deswegen habe ich ja geschrieben, dass in einigen Lebensbereichen Frauen Vorteile haben, in anderen halt Männer.

PS: Ich bin als Kind zwischen nutzlosen Kreaturen aufgewachsen, die den ganzen Tag nichts besseres zu tun haben, als vor dem Haus zu sitzen und zu zeigen, wer der Boss ist. Gelegentlich haben sie von ihren Frauen Tee und essen gebracht bekommen, sodass sie eigentlich nur fürs Klo und zum Schlafen ins Haus gegangen sind. Mit 15 bin ich mir meinem ersten Gehalt aus nem Ferienjob heim gekommen. Ich habe das Geld nicht offen getragen, aber deren Meinung nach zu gute Laune gehabt. Also haben sie mich überfallen und mein Geld war weg. Die Polizei hat mir dann erzählt, dass drölfzigtausend Verwandte sie ganz woanders gesehen haben. Sie hätten ein wasserdichtes Alibi. Gegen mich wurde wegen falscher Verdächtigungen und vortäuschen einer Straftat ermittelt, das verlief aber im Sand.
Mein Fahrrad wurde dann noch als Hinweis, nie wieder die Polizei zu rufen, filetiert. Achja, bevor ich es vergesse, plötzlich gab es auch drölfzigtausend Zeugen, die gesehen haben wie ich Drogen verticke. Und Zack, wurde unsere Wohnung durchsucht. Insofern kann ich dir bestätigen, dass das für Angehörige des männlichen Geschlechts ebenso beängstigend ist. Ich hatte jedes Mal Angst, wieder auf die Fresse zu kriegen, wenn ich dir Wohnung verlassen wollte.

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Klopfer (Profil) (Website)
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Versuch mal als häßliche, übergewichtige Frau überhaupt ein Date oder nen Quickie zu kriegen.

Wenn ich mir ansehe, wer so alles bei Onlyfans mit freizügigen Bildern Geld von notgeilen Männern einsammelt, erscheint mir das nicht ganz so unmöglich. Allerdings darf die Frau halt auch nicht allzu hohe Ansprüche haben.

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O.W. (Profil)
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@ Anne Bonny
Das mit den Zeitverträgen ist nicht nett. Stimmt.

Andererseits ist für Männer auf dem Jobmarkt natürlich total einfach. Es gibt zum Beispiel keine Gesetze, die es schwer machen, Männer einzustellen. Halt. Das hätte natürlich nicht Männer, sondern Frauen heißen müssen. Es gibt keine Gesetze, die die Einstellung von Frauen erschweren. Gesetze, die die Einstellung von Männern erschweren gibt es sehr wohl.
Als ich nach meinem Studium und Vorbereitungsdienst eine Stelle suchte (Lehramt NRW), hatte ich eine Einladungsquote zu Vorstellungsgesprächen von über 80%. Das ist, wie ich höre, recht viel. Und was habe ich fast immer (also exakt bis auf einmal) gesagt bekommen? "Es tut uns leid, Sie sind unsere Nummer 2, wir haben uns für eine Mitbewerberin entschieden. Würden Sie zur Verfügung stehen, wenn die ablehnt?" Das erschien mir sehr seltsam. Das Ganze klärte sich dann auf, als ich meine Stelle hatte und dann nach einer Zeit eine Evaluation anstand. Da wurde mir dann mitgeteilt, dass sich der Aufwand gelohnt habe, wirklich den besseren Bewerber zu nehmen. Als ich fragte, warum es da Zweifel gegeben hätte, sagte mir eine Kollegin aus der Einstellungskommission, dass meine Mitbewerberin eben weiblich gewesen sei. Wenn sich im Öffentlichen Dienst in NRW eine Einstellungskommission für einen Mann entscheidet, obwohl eine Frau da gewesen wäre, dann muss das schriftlich begründet werden und kann zu negativen Konsequenzen führen, wenn die Begründung nicht gut genug ist.
Was hat die Einstellungskommission bei mir bewegt? Im Gegensatz zu meiner Mitbewerberin (ja, die Stelle war so unbeliebt, dass es nur 2 gab), wusste ich, was mich erwartet (Berufskolleg), während meine Mitbewerberin nicht mal genau wusste, was diese Schulform ist. Mein Zweitfach (ausgeschrieben war Englisch/beliebig) war ein Fach, an dem die Schule Bedarf hatte (Mathematik) und nicht eines, bei dem die schon vorhandenen Kollegen ihre Stunden nicht vollkriegten (Sport). Außerdem hatte ich mich nach dem Referat (Ende im April), als ich keine Dauerstelle bekam, sofort in eine Vertretungsstelle geworfen, inklusive einer Erst- und einer Zweitkorrektur einer ZP10 in Englisch, während meine Mitbewerberin erstmal ein paar Monate Urlaub gebraucht hatte. Sie hatte sich unmittelbar nach dem Referendariat nicht mal auf eine Stelle beworben. Das alles hat dazu geführt, dass die Kommission sich für mich entschieden hat – mit einer Stimme Mehrheit und nur, nachdem die Gleichstellungsbeauftragte als erste die Stimme abgegeben hatte und für mich gestimmt hat.
Da dachten einige immer noch, die Sachlage sei zu windig. Warum? Weil noch nicht 50% des Kollegiums Frauen sind. Was ist daran unfair? Nun, diese Quote ist unabhängig von der Quote bei den Absolventen. Wir haben eine technische Abteilung. Bei den Kollegen mit entsprechenden Fächern ist die Absolventenquote für Frauen unter 5%, aber wenn sich eine Frau und ein Mann bewerben, sind so lange Frauen zu bevorzugen, bis 50% erreicht ist.
Wenn also ein gut bezahlter Job für eine Frau garantiert kommen soll, dann Lehrerin in einem technischen Fach in NRW. Da muss eine Frau mit 4,0 einem Mann mit 1,0 nicht vorzuziehen technisch immer noch gut begründet werden, denn 4,0 ist geeignet und dann greift Frauenförderung. Und ja, NRW wird von der CDU regiert.

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Anne Bonny (Profil)
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Keine Ahnung. Kann sein, dass es vor einigen Jahren (1996 bis 2009) noch nicht so extrem mit der Frauenquote war. Vielleicht waren die Männer auch einfach immer besser.
Ich bin ja auch nicht die typische Frau. In meinem ersten Job (wirtschaftliches Unternehmen im Büro) wurde ich gebeten, bitte ein Kleid oder einen Rock zu tragen und die Arbeiter hätten mich gefälligst zu siezen, da sonst das Ober- und Unterordnungsverhältnis leiden würde. Ich bin mit zwei der Arbeiter in eine Klasse gegangen, da fange ich nicht an zu siezen. Und Rock mit über hundert Kilo? Träum weiter Chef.
Er hat mich nach vier Monaten während der Probezeit gekündigt, weil ich in der Probezeit ins Krankenhaus gekommen bin.
Ich habe später in einer Schmiede gearbeitet, die selbe Arbeit wie die Männer gemacht, große Maschinen bedient, Kräne, Stapler. Ich habe mit dem Presslufthammer auf Baustellen gearbeitet. Ich war eine von zwei Frauen im Betrieb, zwischen knapp über hundert Männern. In anderen solchen Bereichen hat man mich als Frau nicht eingestellt. Frauen auf Montage oder Baustellen? Das bringt doch nur Unruhe.

Im übrigen habe ich (trotzdem ich ein häßlicher Brückentroll bin) auf einer dieser Arbeitsstellen doch mal für Unruhe gesorgt, weil die Herren mit einem weiblichen Kollegen nicht klar kamen. Ich musste dann eine neue Arbeit finden.

Wie auch immer. Es ist weder explizit für einen schwerer, als für andere. Da Frauen vor einiger Zeit (und in vielen Ländern heute noch nicht) wählen durften oder arbeiten gehen (ohne dass der Ehemann sein Einverständnis gibt), kann man den Argwohn vielleicht ein wenig verstehen. Klar ist vieles inzwischen überzogen, aber die ganze Welt ist völlig bekloppt. Menschen sind bescheuert und was heutzutage abgeht, bringt mich täglich dazu, komplett aussteigen zu wollen. Dieser ganze Scheiß regt mich einfach nur noch auf, egal ob dieses Thema oder diese ganze andere Chose.

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O.W. (Profil)
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@ Anne Bonny

Bitte missversteh mich nicht. Ich bin nicht für Diskriminierung, im Gegenteil. Und ich weiß sehr gut, dass es da mehrere Linien gibt, entlang derer diskriminiert wird. Geschlecht ist eine dieser Linien, die aber in beide Richtungen ausschlägt. Ich habe das durch Schülerinnen und Schüler erlebt, die in für ihr Geschlecht untypischen Berufen Fuß fassen wollten und denen zum Teil absurde Steine in den Weg gelegt wurden.
Wenn eine Gruppe aus drei angehenden Technikerinnen für die Technikerstaatsarbeit in einem Betrieb ist, um für die Firma eine neue Maschine zu konstruieren, die - einmal fertig - so wichtig ist, dass die Firma sogar versucht hat, eine Bewertung zu untersagen, weil dabei die Bewertenden Einblick in Firmengeheimnisse bekämen, dann wird es absurd, dass einfache Maschinenbediener (männlich) den Frauen gesagt haben, dass wenn sie technischer Hilfe bedürften, sie gerne zur Verfügung stünden und grotesk, dass der Bau des Prototypen beinahe gescheitert wäre, weil ein Mann aus dem Einkauf die Stückliste des zu bestellenden „korrigiert“ hat. Zum Glück haben die drei noch eine Möglichkeit gefunden, auch mit den falschen Teilen den Prototypen zu bauen – für einen Aufpreis, der vielfach so hoch war, wie die Einsparung durch die „Korrektur“.
Genau so gibt es junge Männer, die nicht Erzieher werden können, weil 1,90m groß, über 100 kg schwer und schwarze Haare einfach zu abschreckend für Kinder ist.
Also ja, beim Geschlecht geht Diskriminierung inzwischen in beide Richtungen. Und ich will nicht sagen, dass Du nicht diskriminiert wurdest.

Und bei der von Dir erwähnten Hässlichkeit, nun da kann man kaum eine Lösung finden – oder ganz einfach. Ich bin auch einer der schwer übergewichtigen Fraktion. Daraus entstehen Nachteile. Früher habe ich mich darüber aufgeregt, aber das ist sinnlos, denn optische Attraktivität ist nun mal ein Ding. Entweder nehme ich ab, oder ich lebe damit. Momentan kann ich nicht wirklich abnehmen (man mag es psychologische Sucht nennen oder wie auch immer), also lebe ich damit. Bin ich deswegen finanziell im Nachteil? Klar. Beamtung war nicht drin. Kann ich diesen Nachteil teilweise kompensieren? Natürlich. Ich werde oft für dumm gehalten, weil Mann, groß und fett. Das tun Leute ernsthaft auf eigenes Risiko. Ich lasse, zum Beispiel, wenn es um große Anschaffungen oder Versicherungen geht, mein Gegenüber gerne im Glauben, mich intellektuell unter Kontrolle zu haben. Das hat schon einige tausend Euro Potential, die man damit gewinnen kann. Wer mich nicht bescheißen will, macht ein faires Geschäft, wer mich bescheißen will, den lasse ich selbst etwas vorschlagen, was für ihn nachteilig wird, oder, wenn das nicht läuft, dann gibt es zumindest kein Geschäft. Ich habe bei einem Autokauf für unter 6000€ einem Möchtegernschlaumeier schon über 1200€ Kosten ans Bein gebunden die voll zu meinen Gunsten gingen, weil der mich unterschätzt hatte und bereit war, das Gesagte zu verschriftlichen.

OK ist keine Art der Diskriminierung – aber viele eben auch nicht so einseitig, wie behauptet wird. Und genau deshalb sollte man sich vor zu einfachen Aussagen hüten.

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Gast (Profil)
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@O.W. ich las zu erst "Klar. Beatmung war nicht drin." und ich dachte, oh mein Gott, was wurde Dir vorenthalten??? Es klärte ich dann beim zweiten Blick. Bin in einem typischen Beamtenberuf auch nur angestellt, finde das nicht so dramatisch. Ich kann von meinem Gehalt leben und irgendwie fühle ich mich freier dabei.

@Klopfer, naja, natürlich ist Familienpolitik zu großen Teilen auch Frauenpolitik. Ich würde mal sagen, es ist kein Zufall, dass das Familienministerium fast ausschließlich weiblich besetzt war. Die ersten beiden Minister nach Gründung waren noch Männer, so in den 50/60ern. Danach nur noch Frauen, bis auf ein Gastspiel von Heiner Geißler in den 80ern. Drei Minister in 70 Jahren. Ich glaube nicht, dass ein anderes Ministerium mit einer solchen Quote aufwarten kann.
Die schlechterstellung eines Partners durch das Ehegattensplitting, sorgt für weniger Netto bei einem Teil (statistisch meistens die Frau), einige Leistungen usw. berechnen sich aber nach Netto und nicht nach Brutto. Und wenn der Krippenplatz zu teuer ist? Dann setzt die Frau wirklich aus. Ich habe Freunde, da ist sie zuhause geblieben, weil sie meinte, ihr Gehalt einfach an den Kindergarten weiterzureichen? Nee, da bleibt sie lieber zuhause und bespaßt selbst ihr Kind. Und natürlich ist das für das Kind sehr schön, immer die Mama für sich zu haben. Aber mit anderen Kindern spielen und lernen ist halt auch nicht verkehrt. Und die Mama wäre gerne wieder arbeiten gegangen. Die verliert ja auch Berufserfahrung. Muss dann nach drei Jahren neu einsteigen usw.

Heute schon in Vergessenheit, bestand zum Beispiel in Deutschland bis in die 50er Jahre hinein das Lehrinnenzölibat. Heiratete eine Lehrerin, wurde sie sofort entlassen. Nicht weil ihr Mann das so wollte, sodnern der Staat. Da waren wir von Gleichstellung weit entfernt.

Die Homo-Ehe betrifft Frauen insoweit, als dass Frauen eben auch Frauen heiraten dürfen. Das ist zur Hälfte auch ein Frauenrecht. Und die AfD möchte es abschaffen, die CDU hat sich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt. Und beim Adoptions- und Geburtsrecht sind wir immer noch nicht bei einer Gleichstellung angekommen. Wenn ein Lesbisches Paar ein Kind bekommt, dann wird die Gebärende als Mutter eingetragen, ihre Ehefrau allerdings nicht. Die muss erst die Adoption beantragen usw. Bei einem Heteropaar wird einfach der Ehemann als Vater eingetragen.

An einer traditionellen Familie ist nichts schlimmes, allerdings sollte jeder die Wahl haben, eine echte Wahl und nicht eine, "kannste anders machen, hat aber massive Nachteile" oder wird gar verboten. Die AfD zum Beispiel sieht ja entsprechend eine stabile gleichgeschlechtliche Zweierbeziehung nicht als traditionelle Familie, obwohl Schwule und Lesben ja genauso eine stabile Elternschaft übernehmen und leben können. Aber traditionell ist auch ein sehr beliebiger Begriff. Nach welcher Tradition? Urmenschen? Lebten in Sippen. Mittelater? Gab es Großfamilien, usw. Die Kernfamilie, Mutter-Vater-Kind ist eine bürgerliche Erfindung der Neuzeit.

Und wenn wir an den §218, Schwangerschaftsabbruch denken, da haben Frauen sehr lange für eine Straffreiheit gekämpft, auch das möchte die AfD rückgängig machen. Ist auch ein Frauenrecht. Ich muss aber dazu sagen, die Ausgangsposition der AfD und meine unterscheiden sich hierbei nicht wesentlich. Statistisch gibt es unter den 100.000 Abtreibungen jedes Jahr nur eine winzige Anzahl an Fällen, in denen eine Vergewaltigung oder ein Missbrauch vorlag (unter 20) oder in denen es aus medizinischen Gründen angeraten war, die Schwangerschaft abzubrechen (knapp unter 4.000). Ich sage da auch, das riecht nach nachgelagerter Verhütung in einigen Fällen, Schwangerschaftsabbruch sollte aber kein Instrument der Familienplanung sein. Es gibt sogar eine Pille für danach, die ein Befruchten der Eizelle verhindern kann. Mir fehlt da das Verstandnis für so hohe Zahlen. Zumal 2020 nur 580.000 Kinder geboren wurden. Man setze das mal in Relation.
Aber ich bin mir auch bewusst, dass ein straffreier Schwangerschaftsabbruch ein Frauenrecht ist, für das alnge gestritten wurde und ich in dem Fall auch auf einer Seite stehe, die eine gewisse Einschränkung sehen, zugunsten anderer Rechte, klar, aber es bleibt eine Einschränkung.

Was die Sache mit den (bio)deutschen Kidnern angeht. Ja, ein ziel vieler Regierungen war es, dass es mehr Nachkommen gibt. Einfach, um den Generationenvertrag am Laufen zu halten. Ich frage allerdings, wie sinnvoll das ist. Wir können nicht unbegrenzt wachsen. Eine schrumpfende Bevölkerung verbraucht auch weniger Ressourcen. Ein moderates Schrumpfen, dass die Systeme nicht zum Kollaps bringt, ist sogar eher zu befürworten, bis man eine verträgliche Zielgröße erreicht hat. Man könnte mehr Energie darauf verwenden zu klären, wie kann man technisch eine alternde Gesellschaft unterstützen. In Japan wird ja einiges mit Pflegerobotern ausprobiert, ich halte das für zukunftsträchtiger.

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Rakshiir (Profil)
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@mischka
Ich gebe dir in vielen Punkten recht, was deine Beispiele angeht. Natürlich ist das immer subjektiv aus meiner Blickrichtung.
Thema häusliche Gewalt (wie du später auch noch angedeutet hast) ist für mich das Thema Depp vs. Hard n ziemlich negatives Beispiel. Die Sachlage am Anfang und Unterstellung hat gereicht um fast eine Karriere zu zerstören und das Leben von Depp. Dass sich das geändert hat liegt meiner Meinung nach nur daran dass er A) beliebt und bekannt genug ist dass viele für ihn einstehen und B) dass die Sachlage mittlerweile einige Beweise aufgewiesen hat. Wäre die Beweislage allerdings umgekehrt wäre er sicher schon lange im Knast und deutlich länger als sie je einfahren wird.

Thema Opfer von Gewalttaten. Ich hab im Hinterkopf dass Frauen häufiger Opfer von sexuellen Übergriffen werden, aber Männer häufiger Opfer von Gewalt und Raubüberfällen. Als Mann der nicht sonderlich groß und stark gebaut bin kann ich sagen, dass mir viele Dinge auch nicht so angenehm sind, wenn ich alleine unterwegs bin.

Es gab auch mal n Dokument über Frauen die sich zu Männern haben umoperieren lassen, und danach berichtet haben wie unterschiedlich die Welt ist. Wie sich durch Hormone die Wahrnehmung verändert hat. Wie sie durch "die Gesellschaft" nun behandelt werden. Was ein massiver Unterschied das ist in Dingen wie Höflichkeit, Zuvorkommen usw.
Bewusst oder unbewusst, kulturell beeinflusst oder durch was sonst noch, gibt es einen Unterschied im Allgemeinen wie man miteinander umgeht. Natürlich macht das nicht jeder - und viele die Unterschiede machen (mal nur das Beispiel Tür aufhalten) tun das sicher nichtmal bewusst oder böswillig. Aber die Unterschiede sind da.

Ich finde eben die Ironie aktuell sehr fragwürdig, weils auf mich so wirkt als ob man Gleichberechtigunge verlangt (was legitim und richtig ist) - aber immerhin wünscht/erwartet besonders behandelt zu werden. Beides gibts irgendwie nicht. Das ist meiner Meinung nach entweder oder.

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mischka (Profil)
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Ich hab im Hinterkopf dass Frauen häufiger Opfer von sexuellen Übergriffen werden, aber Männer häufiger Opfer von Gewalt und Raubüberfällen.
Da stimmt auch so weit. Männer werden deutlich weniger häufig Opfer von sexueller Gewalt. Aber Frauen werden noch mal deutlich weniger häufig (im öffentlichen Raum) Opfer von sexueller Gewalt als Männer von Gewalt. Wenn wir also die Fälle von sexueller Gewalt und "normaler" Gewalt zusammen fassen, bleibt es dabei, dass Männer deutlich gefährdeter sind.

Deswegen soll bei städtische Frauenparkplätze kenntlich gemacht werden, das es sich um eine Empfehlung und nicht um eine Regelung handelt.

Kürzlich hatte ich noch mit einer Frau darüber diskutiert, sie hatte aber total falsche Zahlen als Argument geliefert, da die vielen Fälle von häuslicher Gewalt mit rein gerechnet war. Wenn aber die Sinnhaftigkeit eines Frauenparkplatzes bewertet wird, so sind die Fälle von häuslicher Gewalt irrelevant. Da kommt es auf die Gewalt im öffentlichen Raum durch Fremde an.

Deswegen parke ich auch öfters auf Frauenparkplätzen. Das hat mir schon die eine oder andere Diskussion eingebracht.
Frau: Sie haben aber sehr kleine Titten für ne Frau.
Ich: Es ist schon schrecklich genug, dass ständig von den Männern zu hören, aber von ihnen als Frau auch?!?

Frau: Wie können sie dort parken, da dürfen nur Frauen parken?!?
Ich: Ach wissen sie, das Auto ist schon alt, da kam ich es riskieren, neben einer Frau zu parken. Und so groß ist der Sachschaden mum auch nicht, wenn mein Auto touchiert wird.

Frau: *knallt mir eine und zerkratzt im vorbei gehen mit dem Schlüssel mein Auto *
Ich: Rufe die Polizei und folge der Frau (Mitte 40), während ich mit der Polizei telefoniere. Frau versucht zu fliehen, ich bin aber genauso schnell.
Sie ist dann in ein Saturn gegangen und hat dem Security Mitarbeit erzählt, ich verfolge sie und wolle sie vergewaltigen *würg*. Er hat mich festgesetzt, sie entkam. Er hat noch das Telefonat mit der Polizei beendet. Zum Glück gibt's im Parkhaus Kameras und dort konnte man sehen, welches Auto ihr gehört.

PS: Zum Thema Abtreibung: Auch wenn ich die AfD verabscheue, da bin ich ausnahmsweise mal ihrer Meinung. Wir haben uns daran gewöhnt, vor Schulen langsam zu fahren. Ich muss also zeitlich bzw. örtlich befristet auf mein Recht des Gas gebens verzichten, um Kinder nicht zu gefährden. Warum können dann Frauen, die offensichtlich nicht in der Lage waren zu verhüten (Ja, es ist auch seine Aufgabe, daran zu denken, aber Männer treiben nicht ab. Als Frau zu sagen, da hätte er ja dran denken können ist also nicht wirklich clever.) zeitweise auf ein Recht verzichten, um den Embryo sein Recht auf Leben nicht zu nehmen. Danach kann sie es ja immer noch zur Adoption frei geben. Für mich ist das Mord.
Als Argument wird ja auch oft angegeben, dass das Kind (noch) nichts fühlt. Das tun Menschen im allgemeinen nicht, wenn sie schlafen. Darf ich also Menschen im Schlaf umbringen? Nein, weil klar ist, dass sie bald etwas fühlen werden. Genau so, wie der Embryo.

Um das Recht an eigenen Körper durchzusetzen, wird das Recht auf Leben für einen anderen Menschen außer Kraft gesetzt. Meine Freiheit hört dort auf, wo die des anderen beginnt. Und genau hier wird die Freiheit des Embryos mit Füßen getreten.

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Gast (Profil)
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Ich würde ja sagen, Frauenparkplätze sind doch genial für Vergewaltiger, da weiß der direkt wo er suchen muss und gut ausgeleuchtet ist das auch noch, dann passiert kein Fehler. Man stelle sich so einen Vergewaltiger vor, der Nachts im Dunkeln im Parkhaus rumirrt und immer hofft, aus dem nächsten Auto, da steigt jetzt aber endlich mal ne Frau aus, und dann ist es doch wieder nur ein Mann, sieht er aber erst kurz vorher... schlimm.

@mischka, naja, man kann Abtreibung schon differenziert betrachten. Eine Schwangerschaft dauert schon ein paar Monate und führt zu körperlichen Veränderungen, vielleicht auch zu seelischen. Gerade wenn man kein Kind wollte fallen mir so Sachen wie Depression usw, ein. Und Du kannst eine Schwangerschaft kaum verstecken. Dein arbeitgeber wird davon erfahren müssen, deine Kollegen höchstwahrscheinlich auch. Du wirst deinen Beruf für einige Monate nicht ausüben können. Außerdem ist potentiell auch dein Leben in Gefahr. Allem medizinischen Fortschritt zum Trotz, bei der Geburt kann auch die Mutter sterben. Und dann die Geburt slkbst, ist mit Schmerzen verbunden, wenn das Kind nicht richtig liegt, etc. wird vielleicht ein Kaiserschnitt fällig, da geht es einmal groß durch die Bauchdecke, da werden Muskeln, Nerven, alles durchtrennt, das kann Jahre dauern, bis das ordentlich ausgeheilt ist, manche haben ein Leben lang mit den Folgen zu kämpfen (selten, aber kann vorkommen).
Und das ist alles unabhängig von der Frage, ob man das Kind nachher behält oder zur Adoption freigibt oder in die Babyklappe tut.

Ich weiß auch nicht welches gesellschaftliche Stigma größer ist, wenn alle mitbekommen du bist schwanger, aber nach der Geburt hast du kein Kind, weil du es weggegeben hast (wie kannst du nur?), oder wenn du still und heimlich abtreibst und keiner bekommt was mit. Bist ne Woche krankgeschrieben.

Jemanden zu zwingen ein Kind auszutragen ist schon eine heftige Entscheidung, das ist nicht vergleichbar mit einem Tempolimit. Diese Entscheidung kann nur mit einem noch höheren Gut, eben dem Schutz des menschlichen Lebens, begründet werden. Ich denke nicht, dass man den Abbruch gänzlich verbieten sollte (sonst passiert es wieder illegal mit fragwürdigen Ärzten und Mittelchen oder im Ausland), aber irgendwie muss das besser flankiert sein. Vor der Abtreibungsklinik die Leute zu beschimpfen, ist keine Lösung. Ich weiß auch nicht welche Hilfen Schwangere brauchen, um sich für die Schwangerschaft zu entscheiden. Aber da müsste man schon ansetzen. Abgesehen von früher Aufklärung in der Schule und der kostenlosen Verfügbarkeit von Verhütungsmitteln.
Und was wir gar nicht angesprochen haben, die Abtreibung von (potentiell) behinderten Kindern. Wenn der einzige Grund abzutreiben ist, dass das Kind (vielleicht) behindert sein könnte, dann handelt es sich in meinen Augen um Eutanasie. Kann man meiner Meinung nach gar nicht anders sagen oder beschönigen.

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Sir of Toastland (Profil)
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@mischka
Man darf durchaus die Debatte führen, ob ein Embryo bereits das volle Recht auf Unversehrtheit hat. Er hat selbstverständlich ein ausstehendes, ein hypothetisches, aber genauso hat jeder gebürtige Amerikaner ab 35 das Recht, sich zum Präsidenten und obersten Befehlhaber wählen zu lassen. Geben wir beliebigen Amerikanern darum den Zugriff auf die Atomwaffen? Natürlich nicht. Selbst wenn Trump gewählt wird, bekommt er rechtmäßig seinen "großen roten Knopf", aber nicht vor Punkt x.

Auch Verhütungsmittel sind nicht zuverlässig; Kondome können reißen, ich selbst bin TroPi - und insbesondere letzteres macht sich erst außerhalb des Zeitfensters der Pille Danach (Auch ein erkämpftes Recht, kein Rezept dazu zu benötigen) bemerkbar. Bin ich froh, geboren zu sein? Ja. Ich wurde aber in stabile Verhältnisse geboren, in denen meine Eltern bereit dazu waren. Hätten sie das nur "irgendwie schon geschafft", hätten meine mitunter depressiven Episoden sicherlich die Kontrolle übernommen. Und dann lass uns den nächsten Schritt gehen - muss man wirklich von Menschen verlangen, ein Leben lang ein behindertes Kind zu betreuen, dass im besten Falle vor einem selbst stirbt, damit es nicht verlassen bleibt? Oder muss man erwarten, dass diese Eltern kalt genug sind, es in die Adoption zu geben, wo es keine guten Aussichten hat? Müssen wir von Minderjährigen erwarten, eine ungewollte Schwangerschaft auszutragen, wenn niemand sicherstellt, dass das Kind (beide, wohlgemerkt) anschließend gesund aufwächst? Müssen Depressive ein Kind austragen, das schon im Mutterleib von dieser Krankheit beeinflusst wird, und dessen Mutter eine pharmazeutische Behandlung für schlappe neun Monate aussetzen muss, und wenn sie dafür vom Dach springt und "zwei" Leben verloren gehen? Sicherlich kann man dafür argumentieren, aber ich habe dazu durchaus eine Meinung.

Eine Schwangerschaft macht vieles, und noch viel mehr unvorhersehbares mit dem Körper. Nach meiner Schwangerschaft hatte meine Mutter keine Migräne mehr - dafür eine Schalentier-Allergie. Und wer versichert, dass das nicht umgekehrt passiert?

Es ist albern, zu argumentieren, dass wer nicht verhüten kann, keinen Sex haben soll. Man kann weiterhin Frauenärzten freistellen, keine Alternative zu Kondom und Pille zu kennen. Man kann Scharen von pubertären Mädchen pauschal einen Hormonstimulant verschreiben, als wäre das nebenwirkungsfrei. Oder man könnte eine Vasektomie vorschreiben, ein gefahrenärmeres, reversibles und sichereres Verhütungskonzept. Ich wäre damit okay. Wenn sich wirklich eine Frau entscheidet, Mutter meiner Kinder zu werden, kann ich das rückgängig machen oder auf eine vorher zurückgelegte Samenspende zugreifen. Du verzichtest ja nur kurzfristig auf dein Recht, Frauen fertil zu besamen. Darauf würde ich dir eigentlich sogar ein größeres Recht zusprechen als "aufs Gas geben", aber noch immer kein hohes.

Deutschland könnte mehr Kinder haben, wenn es kinderfreundlicher wäre. Wenn es einen Generationenvertrag nur dann im Gesetz verankert, wenn er beidseitig verpflichtend ist. Wenn es repressalienfrei und umfassend unterstützt, wenn man nicht so tut, als sei nach der Geburt das Kind in sicheren Händen oder eben zur Adoption freigegeben. Wenn man die eigene Zukunft und noch mehr die der Kinder politisch ernstnehmen würde, nicht nur wenn es um Pornos, Ballerspiele und Brokkoli geht. Aber stattdessen sehen wir, dass Kinder gesellschaftlich ein Hindernis bis mindestens zum 16. Lebenjahr darstellen. Jippie.

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Geschrieben am
(Geändert am 15. März 2021 um 10:43 Uhr)
Sajoma (Profil)
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@Sir of Toastland: Um nur einmal deinen Vorschlag mit der Refertilisierung nach Vasektomie aufzugreifen: Halte ich nicht für zielführend. Eine Vasektomie ist als Dauerlösung gedacht, und das mit gutem Grund. Einerseits, weil man nicht beliebig oft und gut in demselben Gewebe operieren kann. Das vernarbt, verzieht sich, die Strukturen liegen nicht mehr genau da, wo man sie erwartet, und das allgemeine Risiko wird größer, dass man ungewollt etwas verletzt.
Außerdem kann man natürlich technisch in vielen Fällen die Kontinuität wiederherstellen, je länger aber der Eingriff zurückliegt, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass der Mann damit wieder fertil ist. Zu guter Letzt übernimmt gemeinhin die Krankenkasse den Eingriff der Refertilisierung nicht, da sie argumentiert, dass die Vasektomie eine freiwillige Entscheidung war. Die Kosten betragen etwa 2.500-6.000€, sagen urologische Informationsseiten. Und das kannst du dann für ein Kind vielleicht so machen und hast Glück, aber willst du dich danach dann wieder vasektomieren lassen? Um beim nächsten Kinderwunsch wieder eine Refertilisierung anzustreben?
Tut mir leid, halte ich für unelegant.

Allgemein gesprochen ist keine Verhütungsmethode hundertprozentig sicher. Viele Menschen - Männer eingeschlossen, irgendwie sind sie an dem Prozess der Zeugung ja doch beteiligt - kennen sich zudem erschreckend schlecht mit ihrer eigenen Biologie und der des Partners aus. Ich finde auch, dass ein Schwangerschaftsabbruch nicht in das Spektrum normaler, möglicher Verhütungsmethoden zählen sollte. Wäre dem so, wären die Zahlen aber wahrscheinlich auch dramatisch höher.
Die Frage ist, wieviel Freiheit man Frauen in dieser Entscheidung zu lassen bereit ist. Ist man der Meinung, dass es vornehmlich eine Entscheidung über ihren Körper ist? Der mit Abstand größte Anteil an Schwangerschaftsabbrüchen, mischka, geschieht vor der 12. SSW. Schmerzempfinden, das im Gehirn verarbeitet wird und sich insofern als Schmerz deuten lässt, wird dem Fötus ab etwa der 20. SSW zugesprochen. Das lässt sich nicht direkt mit einem Schlafenden vergleichen, denke ich.
Biologisch betrachtet lebt ein Embryo - ein Fötus sowieso -, insofern kann man natürlich den Terminus des Tötens verwenden. Mord ist wiederum eine juristische Bezeichnung, und nicht jedes Töten in unserer Gesellschaft gilt als Mord. Nicht einmal jedes indirekte Töten eines Menschen; passive Sterbehilfe ist legal. Es ist ein unbequemes Thema, wenn man, wie Nietzsche sagt, sich sein Gutes und sein Böses gibt und seinen Willen über sich aufhängt wie ein Gesetz.
Wir legen willkürlich, denn anders geht es nicht, Grenzen dessen fest, was legal sein soll und was nicht. Sich darein zu retten, dass es eine natürlichere, logischere, moralischere Grenze gibt, verschleiert letztlich nur, dass es kein einheitliches, objektives Richtig und Falsch gibt. Wir reden über Meinungen und Befindlichkeiten, und zwar immer, wenn wir über Gesetze reden. Ob es um Mord und Totschlag, Vergewaltigung, Korruption oder Fahrerflucht geht - oder eben um Abtreibung. Gut, wenn es einen schwindelt, wenn man sich dessen klar wird. Das nimmt einem die Entscheidung und Verantwortung aber nicht ab.

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Geschrieben am
Sir of Toastland (Profil)
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Mir ist klar, dass eine Vasektomie kein Schalter im Stromkreis ist; Mehr als zwei Eingriffe (einmal trennen, einmal ggf. reversieren) möchte ich auch niemandem vorschreiben (aber auch nicht verbieten). Das ist kein wasserdichtes System, aber da kommen wir stand unserer Medizin auch nicht hin.

Und da de facto Frauen spätestens ab dem 21. Lebensjahr zahlen müssen für die Pille und somit Verhütung, mögen zwar die Kosten für die GKK bei meinem Vorschlag höher liegen, aber gesellschaftlich sollte das stemmbar sein. Und: Spiralen werden Jugendlichen auch heute schon von der Kasse gezahlt (die regelmäßig getauscht werden müssen).

Bei der Meta-Diskussion von Moral und Gesetz bin ich ganz auf deiner Seite, das hast du treffend beschrieben.

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Geschrieben am
(Geändert am 15. März 2021 um 13:11 Uhr)
Lucaria (Profil)
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... Wow, das hat unerwartete Dimensionen angenommen.
Ich würde mich gerne erneut auf den Satz meines anderen Kommentares berufen:

Ich bin sowieso dafür, nicht mit dem Finger aufeinander zu zeigen und lauter zu rufen, wer es denn jetzt schlechter hat. Ich finde es wichtig, dass man an allen Punkten ansetzt, an denen der Schuh drückt und dass all diese Probleme wichtige Probleme sind, an denen gearbeitet werden sollte.


Der Meinung bin ich nach wie vor - diese Welt hat viele Probleme und man sollte sie alle angehen. Im Idealfall tut man selbst auch etwas dafür, je nachdem welche Probleme einen am meisten interessieren oder betreffen, denn alle Probleme alleine zu lösen könne ganz schön schwierig werden.
Ich habe meine Bachelorarbeit übrigens zum Thema Häusliche Gewalt an Männern geschrieben - gerade weil es ein Thema ist, was sehr häufig zu wenig Beachtung findet, sowohl in der Praxis, als auch in der gesellschaftlichen Akzeptanz dessen. Und habe mein gesamtes Umfeld damit "genervt", während ich die Arbeit geschrieben habe, weil ich es so wichtig fand, da zu sensibilisieren. Da tut sich zum Glück auch schon etwas - zu langsam, aber immerhin!

Apropos: Ich sitze gerade an meiner Masterarbeit und wo wir hier gerade so gut in der Diskussion sind: Ich habe ein Kapitel vorgesehen, wo ich die aktuell herrschenden Geschlechterklischees kritisieren möchte. Hat jemand gute belegte Quellen dafür, dass Väter es z.B. vor Gericht schwerer haben, z.B. mehr Umgangsrecht beim Kind zu bekommen? Da habe ich leider noch nichts gefunden, würde das aber gerne mit rein nehmen. (Und andere Ideen sind auch gerne willkommen, könnt mir ja eine Nachricht schreiben, würde hier vielleicht den Rahmen sprengen.)

Zurück zum Thema:

@mischka
Du solltest bei deinen Beispielen die Art der Leute unterscheiden. z.B. Date und Geld bezahlen: Wenn ich sage, ich möchte gerne mehr Gleichberechtigung, werde ich beim Daten definitiv nicht erwarten, dass der Mann zahlt. Wenn ich sage, ich möchte mich für die Rechte von allen einsetzen, werde ich nicht über einen Mann lachen, der von seiner Frau geschlagen wird. Meiner Meinung nach ist die Denkweise der Gesellschaft da bei einigen Punkten das Problem - und dann ist die Frage, wie löst man dieses Problem?

Eine Freundin ist jetzt verlobt, möchte aber keine Kinder. Dadurch, dass ihe Verlobung in der Firma bekannt ist, ist jetzt ihre anstehende Beförderung gefährdet, weil anhand ihres Geschlechts davon ausgegangen wird, dass sie nach der Hochzeit sicher direkt schwanger wird... Anders herum sähe die Situation sicher anders aus. Aber das nur als kurzes Beispiel aus meinem Bekanntenkreis.

@Gast, ich gebe dir absolut Recht damit, dass man sich nicht nur an einem Legostein aufhalten sollte, wenn es noch andere Probleme gibt - aber nur, weil über diesen Legostein diskutiert wird, heißt das ja nicht, dass sich alle ausschließlich nur damit befassen? Es gibt viele Menschen die sich (im Idealfall) um viele Probleme gleichzeitig kümmern können.

@Rakshiir - ich habe das Gefühl, viele schreien jetzt so laut, weil sie jetzt endlich gehört werden und eine Stimme haben.
Zum Thema Mobbing: Gebe ich dir vollkommen recht, das sollte definitiv mehr Beachtung bekommen und ist ein Thema, was zu selten angesprochen wird. Ich war in der Schulzeit auch davon betroffen und wünsche das keinem. Was würdest du dir denn von welchen Stellen wünschen, was da gemacht wird?

Beim Thema Abtreibung bin ich voll und ganz bei @Sir of Toastland.

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Geschrieben am
Gast (Profil)
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@Lucaria, ich muss bei allen Genderdebatten immer an das hier denken:

https://pbfcomics.com/comics/penguin-enemy-2/

Während viel Zeit darauf verwendet wird, dass sprachliche Formen eingehalten werden, werden im Hintergrund aber Gesetze gemacht, Entscheidungen gefällt usw. Ich denke, es wäre wichtiger, Grundlagen und Tatsachen zu schaffen. Also Beispielsweise sich drum zu kümmern, dass Frauen die heiraten nicht bei Beförderungen offensichtlich übergangen werden, anstatt sich darum zu kümmern, dass deren Berufsbezeichnung auch auf der Firmenhomepage gegendert wird. Nochmal, ich habe gar nichts gegen das gendern, kann man alles machen, aber es bindet meiner Meinung nach seit Jahren Kräfte, die woanders besser investiert wären. Man gibt sich leidenschaftlich einem Kampf gegen Scheinriesen hin und ist mächtig stolz, was da alles erreicht wurde, aber was wurde wirklich erreicht?

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Geschrieben am
milo (Profil)
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Interessanter Beitrag :sprotz:

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Geschrieben am
(Geändert am 15. März 2021 um 22:31 Uhr)
Klopfer (Profil) (Website)
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Apropos: Ich sitze gerade an meiner Masterarbeit und wo wir hier gerade so gut in der Diskussion sind: Ich habe ein Kapitel vorgesehen, wo ich die aktuell herrschenden Geschlechterklischees kritisieren möchte. Hat jemand gute belegte Quellen dafür, dass Väter es z.B. vor Gericht schwerer haben, z.B. mehr Umgangsrecht beim Kind zu bekommen? Da habe ich leider noch nichts gefunden, würde das aber gerne mit rein nehmen. (Und andere Ideen sind auch gerne willkommen, könnt mir ja eine Nachricht schreiben, würde hier vielleicht den Rahmen sprengen.)

Uh, schwierig. Es gab mal eine Ausgabe von RTL Extra zu dem Thema, wo eine Richterin interviewt wurde, die freimütig zugab, nie eine Mutter für die Verweigerung des Umgangsrecht zu bestrafen. Aber da weiß ich natürlich nicht mehr, wann das lief und ob man das überhaupt noch kriegen kann. Beim Sorgerecht ist die Quellenlage etwas besser.
Ansonsten zeigen sich Geschlechterklischees ja auch in diversen Gesetzen, die Männern und Frauen verschiedene Rechte zugestehen, etwa beim Hilfetelefongesetz, wo Männer als Opfer einfach mal gar nicht vorkommen. (Hier werden so einige Gesetze dieser Art gesammelt.)

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Geschrieben am
Rakshiir (Profil)
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@Lucaria
Ich glaube dass ich das unterscheiden würde.
Es gibt sicher welche, die sinnvolle Vorschläge machen. Weil sie nun gehört werden wie du sagst.
Diejenigen, die laut schreien sind in meinen Augen Personen, die das tun weil es funktioniert und entbehren jeglicher logischer Forderung der Gleichberechtigung. Wer schreien und zetern muss, der ist meiner Erfahrung nach oftmals nicht die Person, die im Recht ist oder logisch argumentiert.

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Geschrieben am
Gendern, bis der Arzt kommt (Website)
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Du mußt tatsächlich ziemlich gestört sein, wenn du so viel Zeit und Text in eine "Bravo"-Kritik investierst. Bravo! :)

"Bravo" hat auch schon in den Neunzigern über Corona berichtet. Damals ging es noch um eine spezielle Mutation des Eurodance.

Aber ich habe Verständnis für die Berichterstattung der "Bravo". Das ist doch kein Nachrichtenmagazin oder dergleichen, sondern "Bunte" oder "Gala" für Teenager.

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Geschrieben am
Klopfer (Profil) (Website)
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Aber ich habe Verständnis für die Berichterstattung der "Bravo". Das ist doch kein Nachrichtenmagazin oder dergleichen, sondern "Bunte" oder "Gala" für Teenager.

Bei Umwelt- oder Gesellschaftsthemen tut die Bravo ja auch so, als würde sie informieren. :schulterzuck: Und wenn man sich die Bravo-Hefte seit ca. Mitte der 70er Jahre anguckt, war sich die Redaktion nicht zu schade, über Drogensucht, Knast, Wehrpflicht, Arbeitssuche/Arbeitslosigkeit und AIDS zu berichten, zusätzlich zu den vielen Aufklärungsartikeln von Doktor Sommer über Sex und Co. :schulterzuck:

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Geschrieben am


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