Klopfers Blog

Nuff! Ich grüße das Volk. :hi:

Weil 2020 so wahnsinnig gut bei der Zielgruppe ankam, war 2021 in wesentlichen Dingen eine Wiederholung des Vorjahrs, mit einigen Zusatzinhalten, die eigentlich schon für die frühere Veröffentlichung gedacht waren. Leider ist das keine wesentliche Vereinfachung der Arbeit des fleißigen Chronisten (und auch des weniger fleißigen Chronisten mit langen Ohren und einer Internetseite). Und leider heißt das auch, dass ihr euch diesen Text jetzt ganz durchlesen müsst, anstatt in Erinnerungen an den letzten Jahresrückblick zu schwelgen und sich zu denken: „Ach, kommt immer noch so ungefähr hin.“

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Etwas, was sich im monatlichen Überblick kaum darstellen lässt, aber sich fast durchs ganze Jahr zieht, sind zwei allgemeine Klagen:

  1. Es lassen sich nicht genug Leute gegen Covid-19 impfen.
  2. Es ist gar nicht genug Impfstoff da, um Leute zeitnah zu impfen.

Das kann man im Geiste also gern zu jedem Monatsabriss hinzufügen.

Januar

In Deutschland steigt mit Jahresbeginn wieder der Mehrwertsteuersatz auf die normalen 7 bis 19 Prozent an, nachdem die Sätze im Jahr zuvor für sechs Monate reduziert wurden, um die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in der Corona-Pandemie abzufedern. Die Pandemie ist zwar immer noch da, aber auf das Geld will Papa Staat nicht mehr verzichten. Neben einigen Engpässen (gerade im Energiesektor) wird die Mehrwertsteuererhöhung ein wesentlicher Treiber der Inflation, die in diesem Jahr um die 5 Prozent erreichen wird.

Im Weißen Haus steht ein Amtswechsel an, doch der abgewählte Donald Trump findet immer noch, dass eigentlich er die Wahl gewonnen hätte. Von einer Rede ermutigt stürmt eine Horde von Rowdies am 6. Januar das Kapitol, in dem die offizielle Bestätigung der Präsidentenwahl durch den Kongress stattfinden soll. Als sie dann aber drin sind, wissen sie nicht so richtig, was sie da eigentlich machen sollen, was den Ausflug in dieses Zentrum der Macht für einen großen Teil der Teilnehmer zu einer Sightseeing-Tour macht. Andere randalieren und klauen, was sie kriegen können. Die Trump-Anhängerin Ashli Babbitt wird von der Kapitol-Polizei erschossen, eine andere stirbt an einer Drogen-Überdosis, Herzinfarkt und Schlaganfall fordern ebenfalls zwei Menschenleben auf der Invasoren-Seite. Wegen zwei Schlaganfällen stirbt auch der Kapitol-Polizist Brian Sicknick, wobei in den Medien zunächst das Gerücht kursiert, er wäre von Besetzern totgeschlagen worden. Nach wenigen Stunden ist der Spuk vorbei, aber noch am Jahresende tun in den USA viele so, als wäre man haarscharf an einem Putsch und der Errichtung einer Trump-Diktatur vorbeigeschrammt, als hätte diese ganze Aktion ernsthaft die Ernennung von Joe Biden zum Präsidenten gefährdet.

Nachdem der Wendler sich schon im Oktober des Vorjahres unangekündigt von den Casting-Drehs zu „Deutschland sucht den Superstar“ verpisst hatte, wird er für RTL im Januar noch unzumutbarer. Nachdem er die Corona-Maßnahmen in Deutschland mit den Zuständen in einem Konzentrationslager vergleicht, beschließt RTL kurz vor Ausstrahlung der Staffel, ihn aus den bereits gedrehten Episoden herauszuschneiden oder zu retuschieren.

Auch eine andere RTL-Sendung steckt in Problemen: Nachdem schon klar war, dass „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ wegen der Pandemie nicht wie geplant in Australien stattfinden könne, hatte man eigentlich geplant, die Show in einer walisischen Burg stattfinden zu lassen. Auch das zerschlug sich, und so produziert man „Ich bin ein Star – Die große Dschungelshow“ in Hürth und steckt nacheinander ein paar Möchtegernpromis für jeweils drei Tage in ein Tiny House, um am Ende einen Gewinner zu küren, der 2022 ins Dschungelcamp ziehen würde (allerdings in Südafrika, nicht in Australien). Bei den Zuschauerzahlen sieht’s mau aus: In Deutschland irgendwo eingesperrt zu hocken, ist nach Quarantänen und Lockdowns kein sonderlich reizvolles Programm.

Toter des Monats: Siegfried Fischbacher – Zauberkünstler (Siegfried und Roy)

Februar

Nach dem Sturm aufs Kapitol hatte man in den USA noch eilig ein zweites Amtsenthebungsverfahren gegen den scheidenden Präsidenten Donald Trump eingeleitet, dem man durch seine Reden eine Mitschuld an der Eskalation gab. Nun gibt’s die Entscheidung, obwohl Trump schon gar nicht mehr Präsident ist. Der Senat ist zwar mehrheitlich der Meinung, dass Trump der Anstiftung zum Aufstand schuldig wäre, aber die nötige Zweidrittelmehrheit wird nicht erreicht. Damit wird Trump freigesprochen und er kann Nichtpräsident bleiben.

Prinz Harry, Herzog von Sussex, verdrückt sich mitsamt seiner Frau aus dem Familienunternehmen und lässt die britische Königsfamilie für ein Leben in den abtrünnigen Kolonien Nordamerikas hinter sich. Er kriegt von seinem Papa zwar noch etwas Taschengeld, aber weil das nicht reicht, betreibt man in den USA noch kräftige Medienhurerei, was in Folge noch für heftigen Knatsch und verletzte Gefühle sorgen wird.

In Südafrika will man koloniale Namen tilgen, deswegen wird die Stadt Port Elizabeth in Gqeberha umbenannt, was der Xhosa-Name für den Fluss ist, der durch die Stadt fließt. Touristisch dürfte sich das langfristig wohl eher als Schuss in den Ofen herausstellen: Port Elizabeth kann man sich immerhin merken und so auch auf Reise-Websites danach suchen. Der Flughafen Port Elizabeth International Airport heißt nun Chief Dawid Stuurman International Airport. Dawid Stuurman war ein Häuptling der Khoi und kämpfte im 19. Jahrhundert gegen die holländischen und britischen Kolonialmächte. Inwieweit die Umbenennung des Flughafens nun ein Meilenstein in der Tilgung kolonialer Namen ist, darüber lässt sich wohl streiten. Der Name klingt nun nicht nach einem, den der Mann ohne die koloniale Herrschaft gehabt hätte. Und persönlich bin ich enttäuscht, dass der alte Name des Flughafens nicht „AirPort Elizabeth“ war.

Toter des Monats: Christopher Plummer – Schauspieler

März

Gehen zwei Millionäre zu einer Milliardärin und reden darüber, wie schlecht die Welt zu ihnen ist. Was wie ein Witz klingt, wird von vielen Amerikanern furchtbar ernst genommen. Harry und Meghan heulen sich im Fernsehen bei Oprah Winfrey darüber aus, wie schlimm die Königsfamilie insbesondere Meghan behandelt hätte. Zusätzlich gibt’s noch diverse Rassismusvorwürfe. Auch dass ihre Kinder wohl keine Adelstitel bekommen würden, sobald Charles König wird, führt Meghan darauf zurück, dass die Royals alle ganz dolle Rassisten wären, obwohl Charles schon von dieser Reduzierung der Titelvergabe geredet hat, als Meghan noch nicht mal ein Funkeln im Auge des Milchmannes war. In den USA ist das Mitleid mit Meghan groß, im Rest der Welt denkt man sich inzwischen: Wenn die eigenen Verwandten, die ehemals besten Freunde, die Angestellten und die Schwiegerfamilie einen für eine intrigante Zicke halten, dann liegt das Problem vermutlich nicht bei den anderen.

Für kurze Zeit ist das berühmteste Schiff der Welt nicht die Titanic, sondern ein großer Frachter namens „Ever Given“. Wegen starkem Wind läuft das Schiff im Suezkanal auf Grund, stellt sich quer und blockiert fast eine Woche lang den kompletten Verkehr. Schätzungen zufolge wird dadurch jeden Tag der Transport von Waren im Wert von neun Milliarden Dollar behindert. Am Ende warten über 400 Schiffe am Kanal auf die Gelegenheit zur Durchfahrt, es dauert bis Anfang April, um diesen Rückstau aufzulösen.

Der ehemalige französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy wird wegen Korruption und illegaler Einflussnahme zu drei Jahren Haft verurteilt, davon werden zwei zur Bewährung ausgesetzt. Dass Sarkozy trotzdem nicht im Kittchen sitzt, hat weniger damit zu tun, dass die Franzosen ihre Bastille kaputtgemacht haben. Der Verurteilte hat Berufung gegen das Urteil eingelegt, und die Mühlen der Justiz mahlen auch in Frankreich langsam. Allerdings hat Sarkozy noch eine ganze Reihe an anderen Strafverfahren am Hals und wird im Laufe des Jahres zu noch einer anderen Haftstrafe verurteilt, wobei er allerdings wieder in Berufung geht.

Im von Frankreich besetzten Elsass geht ein Rechenzentrum des Hosters OVH in Flammen auf. Viele gut besuchte Internetseiten und -dienste sind von dem Brand in Straßburg betroffen, darunter auch diverse staatliche Seiten aus Frankreich, Großbritannien, Polen und anderen Ländern, die Gameserver für das Spiel Rust und die Porno-Torrent-Seite Empornium. Die Meldung von OHV, dass man keine Backups der zerstörten Server habe und die Kunden nun ihre eigenen Notfallpläne aktivieren sollten, dürfte bei vielen dieser Kunden für heftige Schweißausbrüche gesorgt haben: „Was für Notfallpläne?!“ :shock:

Tote des Monats: Sabine Schmitz – Rennfahrerin und Moderatorin (D Motor, Top Gear)

April

Im April werden die Kanzlerkandidaten von CDU/CSU und den Grünen bestimmt. Bei den Schwarzen wird’s Armin Laschet, und man kann sich kaum einen farbloseren Kandidaten vorstellen, der wirklich für gar nichts steht. Bei den Grünen wird’s Annalena Baerbock, die dank der bei den Grünen wichtigsten Schlüsselqualifikation gegenüber Robert Habeck punkten kann: Sie ist eine Frau. Dass wirklich nicht mehr dahintersteckt, wird in der Folgezeit klar: Eigene Gedanken hat sie nicht, die muss sie überall abschreiben, und ihr Lebenslauf muss zeitweise täglich neu korrigiert werden, weil sie gewisse Punkte aufgeblasen hat, um den Hauch von Kompetenz vorgeben zu können. Dass auch Laschet beim Plagiieren erwischt wurde, hilft Baerbock nicht: Bei Laschets Buch bleibt auch ohne Plagiate noch etwas Eigenleistung übrig, bei Baerbocks Werk schmeißen Verlag und „Autorin“ bald das Handtuch und sagen die geplante Überarbeitung des Buches ab. Viele Medien können vor lauter Begeisterung für die grüne Kandidatin kaum noch laufen und tun so, als wenn eine weibliche Kanzler*in eine geradezu revolutionär neue Idee wäre.

Prinz Harry muss sich nun als Zivilist einen Job suchen – und den findet er bei einem Startup für psychische Gesundheit namens BetterUp. Dort bekommt er den Bullshit-Titel Chief Impact Officer (kurz Chimpo) und soll mit seiner Bekanntheit einfach dafür sorgen, dass das Startup Aufmerksamkeit bekommt (was mit dieser Erwähnung hier wohl geglückt ist). In Japan ist man außerordentlich amüsiert über Harrys neue Berufsbezeichnung: „Chimpo“ ist japanische Umgangssprache für „Penis“.

Toter des Monats: Prinz Philip – Ehegatte der britischen Königin und Komiker

Mai

Im Vorjahr musste der Eurovision Song Contest ausfallen, in diesem Jahr findet er (mit reduziertem Publikum) in Rotterdam statt, wo der Wettbewerb schon 2020 hätte stattfinden sollen. Die Lieder aus dem Vorjahr dürfen allerdings nicht wiederverwendet werden. Zwei Länder fehlen unter den Teilnehmern: Armenien verzichtet auf die Teilnahme freiwillig wegen des Bergkarabach-Konflikts, Belarus wurde ausgeschlossen, nachdem die EBU den Beitrag als regelwidrig eingestuft hatte. Der Gewinner des ESC 2021 ist Italien; Deutschland landet mit drei Punkten auf dem vorletzten Platz vor dem Vereinigten Königreich, dessen Interpret mit null Punkten nach Hause gehen muss.

Belarus bekommt in dem Monat aber nicht wegen einer verhinderten ESC-Teilnahme Aufmerksamkeit, sondern aus einem anderen Grund: Ein Ryanair-Flug von Griechenland nach Litauen wird beim Überflug Weißrusslands wegen einer angeblichen Bombendrohung zur Landung in Minsk gezwungen. Dort stellt sich heraus: Ätschibätsch, alles gelogen, man will nur den unliebsamen Journalisten Raman Pratassewitsch und seine Freundin Sofja Sapega aus dem Flugzeug zerren. Mit ein bisschen Folter kitzelt man das Geständnis heraus, er habe zu Protesten aufgerufen, und stellt ihn unter Hausarrest. Die internationale Öffentlichkeit ist entsetzt, aber es zeigt sich auch, wie hilflos man gegenüber so einem Staatsterrorismus ist.

Toter des Monats: Kentaro Miura – Mangazeichner (Berserk)

Juni

Die Fußball-Europameisterschaft der Männer findet mit einem Jahr Verspätung statt, aber weil man so viel Geld für die Werbung und das Logo ausgegeben hat, nennt man sie trotzdem UEFA Euro 2020. Schon vor dem Turnier ist klar, dass Deutschland sich im Anschluss einen anderen Trainer suchen muss, denn Jogi Löw hat schon im Februar klargestellt, dass er dann nicht mehr weitermachen wird. Nach dem Ausscheiden im Achtelfinale gegen England ist allerdings wohl auch niemand mehr übrig, der sich ein Weitermachen gewünscht hätte. Das Finale im Juli entscheidet (wie beim ESC) Italien für sich: England versagt mal wieder im Elfmeterschießen.

Im Städtchen Surfside in Florida stürzt ein Apartmenthochhaus ein, wobei 98 Menschen sterben. Eindringendes Wasser hatte den Bewehrungsstahl im Beton korrodieren lassen und führte schließlich zum Zusammenbrechen der Tiefgarage und des Hauses darüber. In einem Land, in dem ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung nicht mal glaubt, dass ein Hochhaus kollabieren könnte, wenn ein Flugzeug hineinfliegt, muss ein Kollaps ganz ohne Flugzeug ein schwerer Schock sein.

Im Nordwesten des nordamerikanischen Kontinents sorgt eine Hitzewelle für erstaunlich hohe Temperaturen: In Kanada werden sogar bis zu 49,5 Grad Celsius gemessen, was nicht so heiß ist wie meine Liebe zu euch, aber trotzdem beeindruckend warm.

Tote des Monats: Libuše Šafránková – Schauspielerin (3 Haselnüsse für Aschenbrödel)

Juli

Heftige Überschwemmungen in West- und Mitteleuropa fordern über 200 Menschenleben, darunter über 180 in Deutschland. Es zeigt sich, dass seit dem vergeigten Warntag im September 2020 keine wesentlichen Fortschritte dabei gemacht wurden, die Bevölkerung im Katastrophenfall rechtzeitig warnen zu können. Auch frühe Warnungen des Europäischen Hochwasserwarnsystems wurden von lokalen Behörden offenbar nicht ernstgenommen. In einem Kreis entschied man sich dagegen, Alarm auszulösen, weil man eine Überlastung des Notrufes durch Nachfragen befürchtete.

Die Olympischen Sommerspiele finden mit einem Jahr Verspätung statt, aber weil man so viel Geld für die Werbung und das Logo ausgegeben hat, nennt man sie trotzdem Tokyo 2020. Allerdings werden die Spiele ohne Publikum veranstaltet, was ein gehöriger Schlag für die Tourismusbranche in Japan ist, die sich schon jahrelang auf den Besucheransturm vorbereitet hatte. Wider Erwarten landet Italien bei den Spielen diesmal nicht an der Spitze: Im Medaillenspiegel stehen die USA und China vor dem Gastgeberland Japan.

Im Juli erlangt eine amerikanische Bude namens Culper Precision ungeahnte Aufmerksamkeit durch Medien auf der ganzen Welt. Culper Precision individualisiert Waffen nach Kundenwünschen und hat auch ein paar Standarddesigns auf Lager, mit denen Waffenbesitzer vor ihren Kumpels angeben können. Der Geistesblitz, der die Aufmerksamkeit erregt, heißt Block-19: Eine Glock, die aussieht wie aus Legosteinen gebastelt. Viele Leute sind besorgt und entsetzt, auch Lego schreibt dem Unternehmen einen Brief und verlangt die Einstellung der Produktion. Culper Precision zeigt aber allen den Mittelfinger und präsentiert auch am Jahresende noch stolz bei Instagram Block-19-Pistolen, die an Kunden ausgeliefert werden. Rechtlich lässt sich nicht viel machen: In den USA dürfen zwar keine Spielzeugwaffen verkauft werden, die wie echte Waffen aussehen, aber es gibt kein Gesetz, das es verbietet, echte Waffen wie Spielzeug aussehen zu lassen.

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Im Juli wird in der EU aber wieder mal was verboten: Trinkhalme, Teller, Besteck, Wattestäbchen und Luftballonstäbe aus Kunststoff dürfen nicht mehr verkauft werden, Becher, Fast-Food-Verpackungen und Teller aus expandiertem Polystyrol auch nicht mehr. Einige Altenheime haben sich vorher mit Plastikstrohhalmen eingedeckt (die aus Pappe lösen sich zu schnell auf, mit denen aus Metall oder Glas kann man sich zu leicht verletzen), andere Menschen wünschen sich vermutlich, dass sie das auch getan hätten, nachdem sie zum ersten Mal im Fresstempel nebenan die Cola durch einen Pappstrohhalm nuckeln und feststellen, dass das widerlich ist. Aber zweifellos wird dieses Verbot dafür sorgen, dass China weniger Plastikmüll in die Flüsse schmeißt.

Toter des Monats: Martin Perscheid – Cartoonist

August

Weißrussland zeigt wieder mal sein freundliches Antlitz: Bei den Olympischen Spielen in Tokyo kritisiert die belarussische Sportlerin Kristina Timanowskaja die Sportfunktionäre ihres Landes und es wird versucht, sie heimlich gegen ihren Willen nach Minsk zu entführen. Am Tokioter Flughafen Haneda gelingt es ihr, Hilfe von der japanischen Polizei zu bekommen, die ihr Schutz gewährt. Über Umwege schafft sie es nach Polen, wo sie von nun an im Exil leben will.

In Afghanistan ist die Kacke am Dampfen: Nachdem die NATO-Truppen Ende Juni das Land verlassen hatten, zeigt sich die Schwäche der afghanischen Armee, die a) nicht so zahlreich ist wie berichtet und b) lieber die Waffen wegschmeißt, als gegen die Taliban zu kämpfen, die sowieso gewinnen werden. Beim Einmarsch der Taliban in Kabul wird es besonders haarig: Die deutsche Botschaft bettelte schon seit Wochen beim Auswärtigen Amt in Berlin darum, evakuieren zu dürfen, doch Heiko Maas zeigt kurz vor dem Ende seiner Amtszeit noch mal, wie unfähig er ist, und schaukelt sich lieber die Eier. Am Ende beschließt die Leitung der Botschaft Mitte August auf eigene Faust den Abzug und schafft es gerade so noch mit amerikanischer Hilfe zum Flughafen. Maas tut noch so, als hätte er den Abzug in die Wege geleitet, und begründet seine Tatenlosigkeit mit: „Die internationale Gemeinschaft ist überrascht worden, das konnten wir nicht wissen, dass die Taliban so schnell vorrücken würden, selbst die Geheimdienste wussten nichts“, was ein vernichtendes Urteil für die Geheimdienste ist, weil so ziemlich jeder, der nicht ganz grenzdebil ist, genau vorhersehen konnte, was nach dem Abzug der westlichen Truppen in dem Land passieren würde. Die afghanische Regierung ergibt sich schließlich, die Taliban verkünden das Ende des Krieges, im Westen freuen sich angeblich humanistische Leute tierisch über die Niederlage der NATO (auch wenn den afghanischen Frauen eine riesige Scheißestulle serviert wird), was mal wieder gut zeigt, dass der dünne Lack der Menschenfreundlichkeit schnell Kratzer bekommt, solange nur der eigene Feind was auf den Sack kriegt.

In Japan wird zum ersten Mal ein führendes Yakuza-Mitglied zum Tode verurteilt. Satoru Nomura, ein Präsident der Yakuza-Bande Kudo-kai in Fukuoka, hatte Überfälle auf einen ehemaligen Fischerei-Gewerkschaftsführer, einen Ex-Polizisten, eine Krankenschwester und einen Zahnarzt befohlen; der Fischer wurde ermordet, die anderen verletzt. Beim Prozess bedroht er den Richter, was seine Chancen auf ein mildes Urteil vermutlich nicht unbedingt erhöht. Seine rechte Hand Fumio Tanoue wird im selben Prozess zu lebenslanger Haft verurteilt.

Tote des Monats: Markie Post – Schauspielerin (Ein Colt für alle Fälle, Harrys wundersames Strafgericht)

September

Dank der Selbstsabotage der CDU/CSU und der Grünen mit ihrer Kandidatenwahl gelingt der SPD ein Sieg bei der Bundestagswahl, den man ihr am Jahresanfang gar nicht zugetraut hätte. Es läuft auf eine Ampelkoalition heraus, und da sich alle noch gut an das Theater von vor vier Jahren erinnern, als die FDP aus den Koalitions-Vorgesprächen mit der CDU/CSU und den Grünen austrat, weil man mit den Flausen im Kopf der Grünen nicht klarkam, hüten sich diesmal alle beteiligten Parteien, die Gespräche bloß wegen solcher Nebensächlichkeiten wie absoluter Unfähigkeit platzen zu lassen. So kommt auch die Wahlverliererin Annalena Baerbock zu einem Posten im zukünftigen Kabinett: Als Außenministerin ist sie die beste Chance von Heiko Maas, dass er doch nicht als schlechtester deutscher Außenminister der jüngeren Geschichte gelten wird. Nach einigem Zögern präsentiert die SPD auch Karl Lauterbach als Gesundheitsminister, obwohl jedem sonnenklar war: Wenn man fast zwei Jahre durch jede Talkshow getingelt ist und sich als Gesundheitsexperte der SPD ins Gedächtnis der Öffentlichkeit eingebrannt hat, wird die Partei dem Volk wohl kaum begreiflich machen können, wieso sie plötzlich eine andere Person für eine bessere Besetzung hält.

Bei der Kommunalwahl im russischen Sankt Petersburg gibt’s Verwirrung für die Wähler und Unmut von einem der Kandidaten. Boris Wischnewski, der zur Wahl antritt, hat mit zwei besonderen Kontrahenten zu kämpfen, nämlich einerseits Boris Wischnewski und andererseits Boris Wischnewski. Die beiden Männer hatten ihre Namen in den ihres Konkurrenten geändert, sagt der erste Boris. Und nicht nur das: Sie sehen auch ähnlich aus. Alle sind ältere Männer mit Stirnglatze und grauem Vollbart. Und ich wette, sie sind auch alle Russen. Sehr perfide! :klarerfall:

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El Salvador erklärt Bitcoin am 7. September zu einem gesetzlichen Zahlungsmittel, das im Land somit parallel zum US-Dollar verwendet werden kann, um Verbindlichkeiten zu bezahlen. Warum Bitcoin als alltägliches Zahlungsmittel ein bissel dämlich ist, hatte ich vor Jahren schon mal lang und breit erklärt, aber offenbar hat dort keiner von den Verantwortlichen meinen Text gelesen. Das könnte in der Volksrepublik China anders sein: Dort verbietet man am 21. September sowohl den Handel als auch das Mining von Kryptowährungen. Die erhoffte Schwemme von gebrauchten High-End-Grafikkarten für den gebeutelten Markt gibt’s aber nicht: Die Miner bieten die Karten meistens bloß für Selbstabholer an.

Toter des Monats: Norm Macdonald – Komiker und Schauspieler (Saturday Night Live, The Orville)

Oktober

Die Weltausstellung findet in Dubai mit einem Jahr Verspätung statt, aber weil man so viel Geld für die Werbung und das Logo ausgegeben hat, nennt man sie trotzdem Expo 2020. Einen Monat vor Beginn hatte die Europäische Union ihre Mitgliedsländer dazu aufgerufen, die Ausstellung wegen der Menschenrechtssituation zu boykottieren. Natürlich sind entsprechend alle EU-Mitgliedsländer auf der Expo mit eigenen Pavillons vertreten. Zusätzlich hat Baden-Württemberg sogar einen eigenen Pavillon.

In Österreich tritt Bundeskanzler Sebastian Kurz wegen Korruptionsvorwürfen zurück. Damit endet seine zweite Amtszeit als österreichischer Regierungschef (nachdem schon die erste wegen Zusammenbruchs der Koalition vorzeitig endete), aber der Mann ist ja erst 35, der kann noch mehrmals zurückkommen. Ich habe gehört, bei vier nicht aufeinanderfolgenden Kanzlerschaften gibt’s ein kostenloses Besteckset aus echtem Neusilber.

Die Pandora Papers, fast 12 Millionen geleakte Dokumente über in Steueroasen gebunkertes Geld und Steuerhinterziehungen, werden nach Auswertung durch über 150 Medienorganisationen weltweit veröffentlicht und benennen über 100 Milliardäre, 35 aktuelle oder ehemalige Staats- bzw. Regierungschefs, zahlreiche andere Politiker und Unternehmer sowie Prominente wie Claudia Schiffer, Shakira, Ringo Starr oder Elton John. Man kann erwarten, dass dies ebenso große Konsequenzen haben wird wie der ähnliche Leak der Panama Papers 2016, also fast gar keine.

Toter des Monats: Jost Hermand – Literaturwissenschaftler und Kulturhistoriker (und einer meiner besten Professoren im Studium)

November

Eine in Südafrika identifizierte Mutation des Coronavirus ist ansteckender als die bislang dominierende Delta-Variante, scheint aber häufiger einen milderen Verlauf zu haben. Das Virus breitet sich schnell global aus und wird zügig als besorgniserregende Variante eingestuft. Der Zählung im griechischen Alphabet nach wäre man nun bei Nu, die Weltgesundheitsorganisation WHO entscheidet sich aber dagegen, weil man Verwechslungen mit dem englischen „new“ befürchtet. Danach wäre Xi dran, aber weil der Staatschef Chinas Xi Jinping heißt, lehnt die WHO auch das ab. Feiglinge. Also wird’s die Omikron-Variante, und wenn man so weitermacht, gehen einem bald die Buchstaben aus.

Magdalena Andersson wird am 24. November zur ersten schwedischen Ministerpräsidentin gewählt und tritt wenige Stunden später wieder zurück. Grund: Der Reichstag lehnt den Haushaltsentwurf der rot-grünen Minderheitsregierung ab und beschließt lieber einen mit Zustimmung der rechten Schwedendemokraten, woraufhin die Grünen aus Protest die Regierung verlassen. Am 29. November lässt sie sich ohne Gegenkandidat wieder vom Reichstag zur Ministerpräsidentin wählen, was trotz fehlender Mehrheit gelingt, weil es dafür ausreicht, nicht die Mehrheit der Nein-Stimmen zu kriegen. Sie wird ihr Amt bis zu den nächsten Wahlen in einer rein sozialdemokratischen Minderheitsregierung ausüben.

Ein Gericht beendet nach 13 Jahren die Vormundschaft von Britney Spears. Im Vorfeld war bekannt geworden, dass ihr Vater Jamie Spears, der als Vormund eingesetzt war, seine Tochter weit über jedes vertretbare Maß hinaus kontrolliert hat. Ihre Mediennutzung und der Kontakt nach außen wurden stark eingeschränkt, ihr Telefon überwacht, ihr Schlafzimmer mit Abhörwanzen ausgestattet, ihr wurden gegen ihren Willen unnötige Medikamente verabreicht und ein Verhütungsimplantat eingesetzt. Der Fall ruft in den USA und weltweit Entsetzen hervor und stärkt Rufe nach besseren Maßnahmen gegen den Missbrauch von Vormundschaften.

Ikea in Japan startet ein Gewinnspiel, bei dem sich Leute darum reißen, Ikea Geld zahlen zu dürfen: Bis zum 3. Dezember haben japanische Ikea-Family-Mitglieder die Chance, eine von Ikea designte Mini-Wohnung in Tokio beziehen zu dürfen. Das Apartment ist nur 10 Quadratmeter groß, aber dafür beträgt die Miete auch nur 99 Yen im Monat (0,76 Euro). Einen Haken gibt’s aber noch: Man darf nur bis zum 15. Januar 2023 darin wohnen. Aber bis dahin hat der fleißige Japaner vielleicht auch etwas Geld gespart, um sich eine andere Wohnung leisten zu können.

Toter des Monats: Dean Stockwell – Schauspieler (Zurück in die Vergangenheit)

Dezember

Die Kanaken bleiben französisch: Zum dritten Mal in vier Jahren gibt’s in der französischen Kolonie Neukaledonien ein Unabhängigkeitsreferendum, und wieder einmal verlieren diejenigen, die den nährenden Busen des Mutterlands verlassen wollen. Diesmal hatten die Unabhängigkeitsbefürworter aber zum Boykott aufgerufen, weil sie was am Wahltermin zu mäkeln hatten, weswegen der Sieg der Frankreichtreuen überwältigend, die Wahlbeteiligung dafür ziemlich gering war. Wie dem auch sei: Die UN findet zwar, dass Neukaledonien zu dekolonialisieren sei, aber die meisten Einwohner dieser Pazifikinseln wollen das gar nicht.

In Deutschland wird Olaf Scholz als Bundeskanzler vereidigt und Angela Merkel in den Ruhestand geschickt. Die Ex-Kanzlerin verpasst somit um wenige Tage den Amtszeitrekord von Helmut Kohl. So ganz ausruhen wird sich die ehemalige Mutti der Nation nicht: Neben einem Büro, zwei mit jeweils 10000 Euro monatlich entlohnten Büroleitern und fünf Sachbearbeitern bezahlt der Staat ihr auch noch zwei Fahrer, damit sie irgendwelche fortlaufenden Verpflichtungen erfüllen kann. (Ich weiß nur nicht, welche Verpflichtung es nötig macht, zwei Autos gleichzeitig zu benutzen.) Die neun Stellen (zwei mehr als Gerhard Schröder) werden dafür dem Verteidigungsministerium gestrichen.

Ghislaine Maxwell, Komplizin des absolut und unzweifelhaft durch Selbstmord dahingeschiedenen Jeffrey Epstein, wird wegen Menschenhandels von Minderjährigen zur sexuellen Ausbeutung und anderer Delikte schuldig gesprochen. Das Strafmaß wird erst im nächsten Jahr verkündet. Ich bedauere schon mal den baldigen total überraschenden Suizid der Frau, während die Wachen pennen und die Überwachungskameras in und um ihre Zelle herum zufällig ausfallen.

Tote des Monats: Katjuscha – Eisbärin (Berliner Zoo)

Das war also das Jahr 2021. Seien wir ehrlich: Besonders schön war es nicht. Aber es kann ja immer noch schlimmer kommen, also sollten wir vielleicht ein bisschen Nachsicht üben. Eine Sache würde mir allerdings schon gefallen: Wenn im nächsten Jahr ein paar spannendere Dinge passieren würden, ich musste teilweise ganz schön wühlen, um überhaupt ein paar Einträge für einige Monate zusammenzukriegen.

Nachher gibt’s noch die Neujahrsansprache. Bis dann! :bye:

Mehr zu lesen:

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Was haben wir letzte Woche gelernt? - Teil 35 (Kalenderwoche 11)

Veröffentlicht am 19. März 2014 um 23:14 Uhr in der Kategorie "Meine Sicht der Welt"
Dieser Eintrag wurde bisher 23 Mal kommentiert.
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Wie kann man Klopfers Web unterstützen?

Text veröffentlicht im November 2017
Klopfer erzählt, wie man helfen kann, Klopfers Web zu erhalten und besser zu machen - sowohl ohne als auch mit Geldeinsatz. [mehr]

Kai
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Lieber Klopfer,
das einzig positive an diesem Jahr ist wohl Dein herrlich zynischer Jahresrückblick!
Einen guten Rutsch in ein neues Jahr voller toller Ideen für großartige Texte wünsche ich uns allen.

4
Geschrieben am
Gast
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Es sind auch ein paar gute Dinge passiert:

https://krautreporter.de/4186-66-gute-nachrichten-die-2021-untergegangen-sind

Gefühlt war das Jahr auch extrem kurz, schwups, schon vorbei... Im Januar steht irgendwo Drohen statt Drogen (nehme ich an), sonst eine interessante Zusammenfassung, die ganzen Toten des Monats, viele gingen an mir vorüber... Also nicht direkt so zum Hallo sagen, mehr so, ich hab's verpasst.

0
Geschrieben am
mischka
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@Klopfer: Ich habe einen Rechtschreibfehler gefunden: Drohen-Überdosis soll wohl Drogen-Überdosis heißen.

Davon ab: Super Zusammenfassung!

0
Geschrieben am
Christyan
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@mischka: Klare Absicht. Da wurde eindeutig zu viel sinnlos gedroht. Bis zur Überdosis.

2
Geschrieben am
qwzt
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Vielen Dank für den Rückblick, hab mich schon das ganze Jahr drauf gefreut! Auch wenn natürlich wirklich nicht so viel spannendes passiert ist (bzw. hat man viel nicht so mitbekommen, weil Corona halt in den Medien vorherrschend war).

0
Geschrieben am
OurMartyredLady
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Maxwell wird wohl nicht geselbstmordet, das würde nur zu viel Aufmerksamkeit auf den Fall ziehen. Die Sache ist gelutscht, die hat ihr Strafmaß, das FBI hat das kleine schwarze Buch von Epstein verschwinden lassen und niemandem kann mehr was passieren.

Und was soll "Belarus" sein? Schreib doch bitte Weißrussland.

0
Geschrieben am
Klopfer
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Noch hat sie ihr Strafmaß ja gar nicht.

"Belarus" ist inzwischen der offiziell in Deutschland verwendete Name, deswegen findet man die von mir zitierten Meldungen darüber eher, wenn man diesen Namen googelt. Das ist der Grund, weshalb ich "Weißrussland" hier nur sporadisch verwendet habe.

0
Geschrieben am
Laytic
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Also im griechischen Alphabet wäre ja in der deutschen Benennung eigentlich Ny gekommen, nur die Angelsachsen haben sich entschieden, das Ding Nu zu nennen. Eigentlich hätte ich erwartet, dass zumindest du die deutsche Benennung verwenden kannst, Klopfer. Aber gut, selbst bezahlte Journalisten auf so ziemlich allen deutschsprachigen Seiten haben das bei My und dem vermuteten Ny nicht hingekriegt.

0
Geschrieben am
Klopfer
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Bei "Nu" weiß jeder sofort, wieso man es mit "new" verwechseln könnte. Bei "Ny" nicht. :schulterzuck:

0
Geschrieben am


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